Geschichte

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Das KIT ist eine der ältesten technischen Universitäten weltweit. Nach der von Nicolas Carnot und Gaspard Monte in Paris 1794 gegründete Ecole Polytechnique und den polytechnischen Schulen in Prag (1806) und Wien (1815, umbenannt in Technische Universität im Jahr 1875), entwickelte man in Karlsruhe ein eigenständiges Konzept zur weiterführenden Ausbildung für Industrie und Verwaltung.

Seit der Gründung vor fast 200 Jahren sind die Angewandten Geowissenschaften integraler Bestandteil des KIT. Die globalen Herausforderungen erfordern mehr denn je eine exzellente Geo-Expertise zu den natürlichen Ressourcen, um der Gesellschaft nachhaltig Energie, Rohstoffe und Wasser zur Verfügung zu stellen. Entsprechend adressieren die Angewandten Geowissenschaften@KIT unter dem Slogan "Umwelt nachhaltig nutzen, auf und unter der Erde" die Themen GeoEnergie, Grundwasser, Rohstoffe und Speicher.

Die Gründung der Polytechnischen Schule Karlsruhe – die Anfänge

Die Badische Polytechnische Schule wurde am 7.10.1825 von Großherzog Ludwig I. von Baden (*1763 in Karlsruhe – †1830 ebenda) auf Anregungen von Gustav Friedrich Wucherer gegründet. Der evangelische Stadt- und Universitätspfarrer Freiburgs und Physiker Gustav Friedrich Wucherer (*1780 in Karlsruhe – †1844 in Freiburg) war 1813 bis 1823 ordentlicher Professor für Physik und Technologie in Freiburg. Er wurde 1821 als Nachfolger des 1821 verstorbenen Physiklehrers Karl Wilhelm Böckmann (*1773 in Karlsruhe – †1821 ebenda) aus Freiburg als Lehrer für Physik an das Lyceum und als Kustos des Physikalischen Kabinetts nach Karlsruhe berufen. Wucherer regte nach seinem Aufbau eines Polytechnischen Instituts in Freiburg „zur Bildung des Volkes in allen Ständen“ ein Ebensolches in Karlsruhe an und wurde von 1825 bis 1832 dessen erster Direktor.

Wucherer

Abb. Gustav Friedrich Wucherer (Quelle)

Zuvor hatten schon der Beamte Johann Gottfried Tulla (*1770 in Karlsruhe – †1828 in Paris) und der Architekt Friedrich Weinbrenner (*1766 in Karlsruhe – †1826 ebenda) 1808 in der konstituierten Generalstudienkommission die Gründung einer polytechnischen Schule forciert. Der Ingenieur Tulla war vom Markgraf Karl Friedrich unter anderem 1794-1796 zum Studium der Chemie, Geologie und Mineralogie an die Bergakademie Freiberg und 1801 an die Ecole Polytechnique nach Paris geschickt worden, wo er Eindrücke einer angewandten Bildung gewann. Auch der badische Staatsrat Karl Friedrich Nebenius könnte Eindrücke bei seinem Aufenthalt 1809 in Paris gesammelt haben.

In Karlsruhe existierten bereits

  • das erstmalig 1752 erwähnte markgräfliche Naturalienkabinett, das von Markgräfin Caroline Luise von Hessen-Darmstadt (*1723 in Darmstadt – †1783 in Paris), der Ehefrau des Markgrafen Carl Friedrich aus Karlsruhe, gegründet wurde, "den schönsten und reichsten derartigen Anstalten in Deutschland" [34]
  • seit 1768 (mit zeitweisen Schließungen) ein Architektonisches Institut für Bauhandwerker, welches der Baumeister Friedrich Weinbrenner 1796 als Architektenschule (eine öffentlich geförderte Privatschule, "Bauschule") etablierte
  • die Ingenieurschule, die 1807 von Johann Gottfried Tulla gegründet wurde
  • das 1778 gegründete markgräfliche physikalische Cabinet des Markgrafen Carl Friedrich
  • die durch Carl Friedrich 1774 eröffneten anwendungsbezogenen Schulklassen ("Realklassen") des Bismarck Gymnasiums (gegründet 1586 als Gymnasium illustre in Karlsruhe-Durlach und 1724 nach Karlsruhe Innenstadt verlagert), in denen der Schwerpunkt mehr auf Mathematik, Mechanik und Naturkunde gelegt wurde als in den gymnasialen Klassen.

Damit verfügte Karlsruhe über ausreichende Schnittstellen, um die gewünschte Industrialisierung mit einer polytechnischen Schule voranzutreiben.

Die Gedächtnisrede von Heinrich Schreiber 1844 auf Wucherer zeigt die Rolle Wucherer’s zur Gründung des KIT 1825: „Durch Ministerial-Erlass vom 7. Mai 1824 wurde Wucherer aufgefordert, den Plan zur Errichtung einer solchen Anstalt (Anm. Errichtung einer polytechnischen Schule zu Karlsruhe) zu entwerfen und vorzulegen: „weil er bereits früher zur Gründung eines solchen Instituts in Freiburg, - wenn gleich, wie es der Lage der Dinge nach nicht anders seyn konnte, von mässigem Umfange, doch wohlthätig in seinen Wirkungen, - wesentlich beigetragen; derselbe also diesem Gegenstand schön längere Zeit reifliches Nachdenken gewidmet, auf Zeit und Gelegenheit gehabt hat, die Lehranstalten in Karlsruhe kennen zu lernen; also vor Allen berufen sein möchte, gutächtlich vorzuschlagen, wie eine solche Anstalt nach den Bedürfnissen des Grossherzogthums und nach dem Verhältnis seiner Mittel, zu Erhaltung des Gleichgewichts mit allen übrigen wesentlich nothwendigen Staatseinrichtungen, gegründet werden könne. Wucherer entsprach den Erwartungen so sehr, dass ihm, unter Beibehaltung seiner Lehrstelle am Lyceum, die Direction der am 1. Dezember 1825 eröffneten neuen Landesanstalt übertragen wurde. Auch die Professoren für die erste Besetzung wurden von ihm vorgeschlagen, mit denen er unverdrossen an einer grossartigen Einführung der mathematischen und naturhistorischen Wissenschaften in die Sphäre des praktischen Lebens arbeitete, in der sie seit zwanzig Jahren in Deutschland so gute Früchte getragen haben.“

Die 12 Gründungsväter des KITs im Jahr 1825 waren die beiden Professoren aus Freiburg Gustav Friedrich Wucherer für Physik (*1780 in Karlsruhe – †1844 in Freiburg, erster Direktor von 1825-1832), Friedrich August Walchner für Chemie, Geologie und Mineralogie (*1799 in Meersburg – †1865 in Karlsruhe, zweiter Direktor von 1832-1836), der promovierte Wilhelm Ludwig Volz für Mathematik und Maschinenbau (*1799 in Rastatt – †1855 in Tübingen, dritter Direktor von 1837-1840), während die weiteren Dozenten Gymnasiallehrer und Handwerker waren. Aus den Schulen Tulla‘s und Weinbrenner‘s wurden Lehrer an das Polytechnikum für grundlegende Lehrveranstaltungen des Lyceums gesandt, die weiterführende Lehre wurde in den eigenständigen Schulen durchgeführt. Beide Schulen blieben aber bis zu Neustrukturierung durch Nebenius 1832 eigenständig. Die polytechnische Schule war ab 1825 zunächst im neuen Südflügel des bereits überfüllten Lyceums untergebracht.

Die Probleme begannen schon mit der Gründung. Die Dozenten waren schlecht bezahlt und die Finanzierung der polytechnischen Schule reichte nicht, Apparate und Modelle für die Lehre anzuschaffen. Gleichzeit war das Schulgeld hoch, und der Lehrplan unorganisiert. Im viel gelesenen Polytechnischen Journal wurde 1825 im Artikel Einige Bemerkungen über das neue polytechnische Institut in Karlsruhe (Band 18, Seite 475-477) moniert:

„Durch die Fortschritte der mathematischen und Naturwissenschaften ist den Fortschritten in der Technik ein erfreulicher Weg geöffnet, und um ihn allgemein zugänglich zu machen, bedarf es der Errichtung von polytechnischen Schulen, wozu Frankreich das Muster gegeben hat. In Karlsruhe wird jetzt ein solches Institut gegründet; allein nach den darüber bekannt gewordenen Planen und Anordnungen scheint man dort den Begriff einer polytechnischen Schule anders aufgefaßt zu haben. Die Basis solcher Institute ist angewandte Mathematik, und wie verschieden auch die künftigen bürgerlichen Bestimmungen der einzelnen Schüler seyn mögen, so ist ihre Bahn doch im Anfange eine und dieselbe, denn der Tischler, der Schlosser, der Zimmermann, der Mechanikus, der Ingenieur, der Fabrikant etc. bedürfen gemeinsamer Elementarkenntnisse und Einübungen, und sie trennen sich erst da, wo nun jeder gehörig ausgerüstet ist, seinen besondern Weg einzuschlagen, und das Erlernte in einem bestimmten Gewerbe oder in einer bestimmten Kunst in Anwendung zu bringen. Aus einer wohlgeordneten polytechnischen Schule kann sich nicht jeder seine beliebige Portion nach Lust und Laune herausnehmen, wie an der Tafel des Restaurateurs; sie ist ein genau verbundenes organisches Ganzes, und wie in jeglichem naturgemäßen Entwikelungsgange, so darf auch hier kein Ast und Zweig sich in der Luft bilden wollen; er muß vom gemeinsamen Stamme ausgehen, wie dieser von der gemeinsamen Wurzel. … Dieses Auskunftmittels bedürfte es nicht, wenn die Anstalt die gehörige Basis hätte, und nicht ein Haupttheil des Materials derselben zur Verzierung des Gebäudes verwendet worden wäre. Wer das polytechnische Institut in Paris kennt, der weiß auch, wie konsequent dort die Aufgabe gelöst, und die Form aus dem Zweke abgeleitet worden. Daher die große Simplicität und der streng geregelte Gang in der ganzen Einrichtung. In der That handelt es sich hier nicht von der reinen Wissenschaft, sondern von der Anwendung derselben auf die Produktionen der verschiedenen Künstler und Gewerbsleute, …. Die Weltgeschichte ist in die Vorbereitungsklasse gewiesen. Aber Jünglingen von 13 bis 14 Jahren kann man keine Weltgeschichte vortragen. …. Wenn ein polytechnisches Institut die gemeinnüzigen Folgen haben soll, welche man den Absichten der Gründe nothwendig unterlegen muß, so ist, außer der zwekmäßigen Einrichtung auch noch erforderlich, daß es allgemein zugänglich sey, und kein Talent ausschließe. Das Honorar der Karlsruher Schule ist, für die Vorbereitungsklasse auf 16 fl. für die übrigen Klassen auf 44 fl. jährlich bestimmt, ohne die Einschreibegebühren. Wer nur eine Lektion besucht, zahlt 11 fl. u.s.w. Bücher, Zeichnungs-Materialien etc. kosten gleichfalls Geld. Von einer Befreiung der Unvermögenden ist keine Rede. Polytechnische Institute sind aber hauptsächlich für die Söhne der Bürgerklasse bestimmt, und diese ist in Deutschland eben nicht mehr als die wohlhabende zu betrachten. Es wäre in der That zu wünschen, dergleichen Anstalten würden den Lehrlingen so wenig als möglich erschwert. Dieß liegt auch gewiß nicht im Sinne einer Regierung, welche so willig das Talent ermuntert, das Verdienst belohnt und alles Nützliche, Gute und Schöne fördert. Vielleicht fehlt es dem beginnenden Institute noch an Fonds? In dem Falle wünschen wir von Herzen, daß reiche, hochherzige Patrioten ins Mittel treten möchten.“

Die Reorganisation des Polytechnikums Karlsruhe

Der badische, liberale Staatsrat und Freimaurer Carl Friedrich Nebenius (*1784 in Rohdt – †1865 in Karlsruhe) wurde 1830 Staatsrat und Ministerialdirektor unter Innenminister Winter, einem Freund von Großherzog Leopold. 1831 wurde ihm das wichtige Respiciat für die Universitäten und höheren Lehranstalten übertragen. 1832 strukturierte er die polytechnische Schule zur Unterstützung der Industrialisierung neu, die er als „eine wahre Mißgeburt“ vorgefunden habe. Der Geologe Friedrich August Walchner wurde von 1832 bis 1836 zum zweiten Direktor der polytechnischen Schule ernannt. Nebenius schloss die Ingenieurschule des verstorbenen Tullas, die Architektenschule des verstorbenen Weinbrenners und die staatliche Forstschule der polytechnischen Schule vollständig an. Neben einem Grundstudium wurden fünf Fachschulen aufgebaut, eine Struktur die weder die Ecole Polytechnique noch das bis dahin führende Wiener Polytechnikum aufweisen konnte. Nach jahrelangen Disputen mit der Staatsbehörde beendete Wucherer durch einen Stellentausch mit Seeber 1834 seine Tätigkeit in Karlsruhe und kehrte an die Universität Freiburg zurück. Walchner wurde der zweite Direktor des Polytechnikums und stand der Fachschule Höhere Gewerbeschule für Chemiker, Gärungsgewebe, für Berg- und Hüttenwesen vor. Darin war auch der Maschinenbau mit Wilhelm Ludwig Volz angesiedelt. Neben den Klassen für die mathematische Grundausbildung gab es fünf Fachschulen:

  • Ingenieurschule
  • Bauschule
  • Forstschule
  • Höhere Gewerbeschule für Chemiker, Gärungsgewebe, für Berg- und Hüttenwesen
  • Handelsschule.

Die Anzahl der Lehrer wurde auf über 30 und der Zugang der Schüler zur Fachschule von 15 auf 17 Jahre erhöht. Nebenius´ Reform führte zu einer besseren Dotierung und Organisation, aber trotz Reform hatte die polytechnische Schule keinen Haushalt und musste jedwede Anschaffung beim Innenministerium anfragen. Das Kollegium wurde nach wie vor schlecht bezahlt, und selbst 1840 wurde in den Berufungsschreiben des Innenministeriums keine Zusicherung des Nominalfachs zugesichert, „weil es in der polytechnischen Schule nicht üblich ist und weil die Regierung den Grundsatz nicht aufgeben kann, ihre Staatsdiener nach eigenem Ermessen zu verwenden“ [4]. Auch für einen staatlich finanzierten Bau der Eisenbahn zwischen Mannheim und Basel zeigte sich 1836 Nebenius verantwortlich. 1840 wurde die Strecke Mannheim-Heidelberg, und 1855 bis Basel eröffnet. 1870 wurde die direkte Strecke Mannheim-Graben-Neudorf-Eggstein-Karlsruhe fertiggestellt.

Nebenius hatte die 1818 in Kraft getretene badische Verfassung mit Karl von Rotteck mit einem Zweikammerparlament geschrieben. Darin war der Schutz des Eigentums und persönlicher Freiheiten, die Religionsfreiheit, ein Wahlrecht und die unabhängige Gerichtsbarkeit festgeschrieben. Grund für die Verfassungen waren die aufkommenden Unruhen: Durch den Ausbruch des indonesischen Vulkans Tambora im April 1815 kam es 1816 in Europa zum Jahr ohne Sommer und 1817 zum Jahr der Bettler mit großen Hungersnöten. Der Weizen kostete 240% mehr, in Baden starben mehr Menschen als geboren wurden. Etwa 20% der Badener wanderten aus Not nach Amerika und Russland aus. Ein Zeitzeuge berichtet: „Am Neujahrstag war es heiß wie im Sommer. Im Mai war es kalt wie sonst im Februar. Die Brunnen sind zugefroren, dass man kein Wasser holen konnte. Im Juni setzte dann ein Regen ein, der nicht enden wollte. Auf den Feldern verfaulte das Korn. Im Juli vernichtete ein Hagel alles, was gewachsen war“ [14]. Nebenius sah in der technischen Entwicklung und Innovation die Lösung des Problems der Überbevölkerung des Großherzogtums Baden - die Bevölkerung Karlsruhes stieg von 10.597 1810 auf 23.484 1840, heute 313.092 Einwohner – und schrieb, dass „allein ein geschickterer Gebrauch der Hilfsmittel der Produktion imstande sei, die unabsehbaren Folgen der Überbevölkerung Badens abzuwenden“ (aus [29]: S. 34-35).

Nebenius stieg unter Großherzog Leopold 1830 im Staatsapparat bis 1838 zum Innenminister auf, wurde aber durch Intrige von Außenminister Friedrich Landolin Freiherr von Blittersdorf, einem Gegner der Badischen Verfassung, gestürzt. 1843 war von Blittersdorf gescheitert und Nebenius vom Großherzog Leopold 1843 in die Erste Kammer berufen worden. Nach kurzer Leitung des Innenministeriums vom 28.3.1845 bis Dezember 1846, die er nur unter der Bedingung annahm, alsbald einen geeigneten Nachfolger zu finden, wurde er im Rahmen der Niederschlagung der Revolution am 3.6.1849 wie alle seine Freunde seines Amtes enthoben und am 1.7.1849 pensioniert. 

Nebenius

Abb. Karl Friedrich Nebenius (Quelle).

Die weitere Entwicklung des Polytechnikums Karlsruhe

Der 1841 berufene Professor für Mechanik und Maschinenlehre Ferdinand Redtenbacher (*1805 in Steyr – †1863 in Karlsruhe) initiierte 1847 mit Unterstützung des Innenministeriums die Teilung der Höheren Gewerbeschule (Fachschule) in eine chemisch-technische (ab 1860 Chemische Schule) und eine mechanisch-technische Fachschule (ab 1860 Maschinenbauschule). Redtenbach folgte auf Wilhelm Ludwig Volz (*1799 in Rastatt – †1855 in Tübingen), der nach seinem Direktorat des Polytechnikums Karlsruhe von 1837 bis 1840 ab 1841 bis 1855 ordentlicher Professor für Technologie in Tübingen und dort 1848/1849 Rektor war. Redtenbach leitete das Polytechnikum als dessen siebter Direktor von 1857 bis 1862. In Deutschland gilt Redtenbacher als Begründer des wissenschaftlichen Maschinenbaus. In einem Brief schrieb er an einen Freund: „Ich hoffe, den Leuten noch den Beweis unter die Nase zu halten, dass die Mathematik kein Luxus ist, und dass man mit derselben in dem Maschi­nen­bau etwas leisten kann, voraus­ge­setzt, dass man vom Prakti­schen etwas versteht und genau weiß, was für's Leben notwendig ist". Einer seiner Schüler war Carl Benz (*1844 Mühlburg - 1929 Landburg), der Erfinder des Automobils. Redtenbacher‘s Nachfolger Franz Grashof (*1826 in Düsseldorf – †1893 in Karlsruhe), 1863 bis 1891 Professor für Theoretische Maschinenlehre, erreichte, dass das Polytechnikum Karlsruhe von Großherzog Friedrich I. von Baden 1865 als Technische Hochschule Hochschulrang erhielt. Dies beinhaltete eine gewisse Selbstverwaltung und Lehrfreiheit, sowie den Abschluss Diplom seit 1867, das Habilitationsrecht seit 1868 und das Promotionsrecht seit 1899. Allerdings wurde der Name Technische Hochschule erst 1885 eingeführt. Seit 1902 wurde die Technische Hochschule Karlsruhe zu Ehren von Großherzog Friedrich I. auch Fridericiana genannt.

Zeitgleich mit Redtenbacher begann Karl Weltzien (*1813 in Sankt Petersburg – †1870 in Karlsruhe) 1841 seine Lehrtätigkeit am Lyceum und am Polytechnikum Karlsruhe. 1850 wurde er zum ordentlichen Professor ernannt und ihm bis 1851 ein chemisches Institut gebaut. Weltzien gilt als Begründer der wissenschaftlichen Chemie, und richtete 1860 den ersten internationalen Chemikerkongress in Karlsruhe aus. Walchner wurde 1850 gegen seinen Willen als Vorstand der Chemisch-Technischen Schule abgelöst. Ob dies ausschließlich auf den schwindenden Zuspruch von Studierenden -  Walchner sah die Chemie eher im technischen Bereich der Aufbereitung- oder auch Walchners politischem Engagement geschuldet ist, sollte eruiert werden.

Das Polytechnikum Karlsruhe wurde zu einem Vorbild für andere polytechnische Schulen wie die ETH Zürich (gegründet 1855, umbenannt in ETH 1911), TU Darmstadt (gegründet 1836), TU Dresden (gegründet 1828, umbenannt 1890), TU Braunschweig (polytechnische Schule gegründet 1862), TU München (gegründet 1827) und RWTH Aachen (gegründet 1870). Die Polytechnische Schule (heute KIT) bot Studiengänge für Architekten, Bauingenieure, Maschinenbauingenieure und Chemiker an, auch die Geowissenschaften (damals Geognosie genannt) waren von Anfang an mit dabei. Seit 1847 agierte die Polytechnische Schule eigenständig. Der Gründungsdirektor des MIT bemerkte bei seinem Besuch in Karlsruhe 1864, dass das Carlsruhe Institute besser als jede andere Institution dem entspreche, was als Massachusetts Institute of Technology geplant sei.

Geologie am KIT seit 1825

Die Geologie war 1825 in der Höheren Gewerbeschule angesiedelt. Von 1948 bis 1969 war die Geologie Teil der Abteilung Chemie in der Fakultät für Natur- und Geisteswissenschaften. Im Jahr 1969 wurde eine Fakultät in Mathematik und Naturwissenschaften und eine Fakultät für Bio- und Geowissenschaften eingerichtet. Seit 2002 sind die Angewandten Geowissenschaften Teil der Fakultät für Bauingenieurwesen, Geo- und Umweltwissenschaften. Die Geophysik am KIT wurde 1964 etabliert und ist seitdem Teil der Fakultät für Physik.

2009 wurden die TH Karlsruhe und das Helmholtz Forschungszentrum (Forschungszentrum Karlsruhe, gegründet 1956) zum Karlsruhe Institut für Technologie KIT mit einem durch das Land finanzierten universitären Bereich und einen durch den Bund finanzierten Großforschungsbereich zusammengeführt. 2021 konnten dann die unterschiedlichen Bereiche mit Landes- und Bundesmitteln über das Land Baden-Württemberg zusammengeführt werden. Die Geowissenschaften sind seit der Gründung 1825 Teil des KIT.

Die Entwicklung der Geologie

Geologie ist die Wissenschaft (logos) der Erde (geo). Die Naturwissenschaft Geologie beschäftigt ich mit der Entwicklung der festen Erde, der Biosphäre und der Atmosphäre. Das Wort Geologie findet sich bereits im Mittelalter in der Philobiblon des englischen Bischofs Richard de Bury (1281-1345). Im Mittelalter wurde die Geologia / Erdwissenschaften (die irdische Ordnung) der Theologia (der göttlichen Ordnung) gegenübergestellt [15 in 32]. Georgius Agricola (Georg Bauer, 1494-1555) gilt als Gründervater der modernen Bergbaukunde und Geologie. In mehreren Werken wie De ortu et causis subterraneorum (1544) beschäftigt er sich mit der Lagerstättenbildung. 

Im 17. Jh. begann man, die Entwicklung des Lebens mit Fossilien einer ehemaligen Lebewelt, und die Landschaftsbildung mit naturwissenschaftlichen Prozessen zu assoziieren. Der einflussreiche Freiberger Geologe Abraham Gottlob Werner (1749-1817) führte neben seinen Vorlesungen zur Bergbaukunde 1780 die Gebirgskunde ein, die er 1783 Geognosie nannte. Der wenig gereiste Werner propagierte den (falschen!) Neptunismus, nach dem alle Gesteine (die alten plutonischen, darüber magmatischen, metamorphen und sedimentären Gesteine) aus dem Meerwasser während der Sintflut ausgefällt worden seinen. Dem standen der schottische Geologe James Hutton (1726-1797) und englische Geologen wie Charles Lyell (1797-1875) gegenüber, die den (richtigen!) Aktualismus nachwiesen, nachdem sich die Gesteine entsprechend heutiger Prozesse ableiten lassen. Der Heidelberger Professor Karl Cäsar von Leonhard (1779-1862) und sein Sohn Professor Gustav von Leonhard (1816-1878) differenzieren in ihren Büchern (1835, 1841) Geologie und Geognosie. Sie bezeichnen die Geologie (damals auch Geogenie genannt) als Wissenschaft, die die Entstehungsweise der Erde ermittelt, und Geognosie als die Wissenschaft, die den gegenwärtigen Zustand der festen Erde erforscht. Daneben entwickelte sich die Oryktognosie (Mineralkunde, Mineralogie) und die Oriktognosie (Erkennungslehre der Fossilien, Paläontologie).

Geologie und Bergbau in Baden und Württemberg

In Baden und Württemberg wurde die Suche nach Rohstoffen wie Salz forciert (wie Bretten, Bruchsal, Königsbach u.a.). 1806 wurde der international bekannte Professor Karl Christian von Langsdorf (1757-1834, Buch Neue Salzwerkkunde 1824) aus Wilna nach Heidelberg berufen. Zuvor war war er von 1784-1789 Ansbacher Salineninspektor in Gerabronn in Franken und dort von 1792-1794 Lehrer von Johann Gottfried Tulla. Langsdorf gilt als Initiator der erfolgreichen Bohrkampagnen von 1812 bis 1824 bei Offenau (1816), Wimpfen (1818), Dürrenheim (1822), Rappenau (1823) u.a.. Allerdings blieb sein Erfolg auf Württemberg beschränkt, da er in Regierungskreisen und der Universität Heidelberg viele Neider hatte, die seine praktischen Tätigkeiten einschränkten. So wurde er von seinen Forschungen in Baden nach Salzvorkommen an die Universität zurückbeordert und er bemängelte "An akademischen Lehrern war seit Jahrhunderten kein Mangel, wohl aber fehlte es immer und fehlt es noch an Salinisten" [13]. In Jagstfeld wurde im April 1816 in erstmals erfolgreich Steinsalz in 150 m Teufe erbohrt und im Januar 1818 das mit Bohrloch-Sole betriebene Siedewerk in Betrieb genommen. 1820 nannte der württembergische König Wilhelm die Saline im Andenken an seinen Vater Friedrichshall. Ob die Schwierigkeiten einer praxisbezogenen Forschung an der Universität Heidelberg ein Grund für die Gründung des Karlsruher Polytechnikums gewesen sein könnten, bleibt zu eruieren.

Auch Eisen- und Bleivererzungen, Steinkohle und Erdöl gehörten neben weiteren Vererzungen zu den Explorationstätigkeit in der markgräflichen und später großherzoglichen Bergbaubehörde in Karlsruhe. Da der Bergbau im Großherzogtum Baden eine größere und ältere Tradition als in Württemberg hatte, erließ Kurfürst Carl Friedrich bereits 1803 ein Organisationsedikt für das Berg- und Salzwesen [31]. Nach einer Bergwerkskommission in Freiburg ab 1822, wurden die Bergwerke und Hütten 1832 in eine Direktion der Forsten und Bergwerke in Karlsruhe übertragen, und ab 1890 in Karlsruhe in eine Forst- und Domänendirektion als oberste Bergbehörde Badens überführt [31]. Als untere Behörde wird ein Bergmeister in Karlsruhe und zeitweise in Dürrheim eingerichtet, der 1922 in die Bezeichnung Bergamt umbenannt wurde. 1943 wurden die Zuständigkeiten im neu geschaffenen Reichsoberbergamt Karlsruhe mit den nachgeordneten Reichsbergämtern Karlsruhe (zuständig für Baden), Mühlhausen im Elsaß und Stuttgart (für Württemberg und Hohenzollern) erweitert. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde 1945 im amerikanisch besetzen Teil eine Bergamt in Heilbronn, im französisch besetzten Teil ein Bergamt in Freiburg errichtet. Mit der Gründung des Landes Baden-Württemberg 1952 wurde ein Oberbergamt in Freiburg mit nachgeordneten Bergämtern in Karlsruhe (aufgelöst 1954), Freiburg und Heilbronn (aufgelöst 1968) errichtet. Das Bergamt Freiburg wurde 1973 zum Landesbergamt Baden-Württemberg ernannt [31]. Die Großherzoglich-Badische Gelogische Landesanstalt wurde 1888 in Heidelberg gegründet. Der Heidelberger Geologe Professor Karl Heinrich Ferdinand Rosenbusch (*1836 Einbeck - 1914 Heidelberg) wurde 1888 dessen erster Direktor, und war 1871 Gründungsmitglied des Oberrheinischen Geologischen Vereins OGV. Dem voraus ging die geologische Landesaufnahme im Maßtab 1:50.000, die vom Karlsruher Professor Carl Ludwig Fridolin Sandberger 1856 organisiert wurde. 1907 wurde die Großherzoglich-Badische Geologische Landesanstalt nach Karlsruhe, und 1910 nach Freiburg übersiedelt. Im Jahr 1998 wurden das Geologische Landesamt und das Landesbergamt zum Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau LGBR des Landes Baden-Württemberg zusammengeschlossen.

Zur Wiederentwicklung des Schwarzwälder Bergbaus wurde 1826 der Kinzigthaler Bergwerksverein mit Sitz in Karlsruhe gegründet, der 1834 durch Zusammenschluss mit anderen Gruben in den Badischen Bergwerksverein (auch Badischer Generalbergwerkverein) mit Sitz in Karlsruhe überging. Zu den Aktionären des Badischen Bergwerksvereins gehörten der Bankier Louis von Haber, Professor August Walchner, Sekretär Hartmann, Rupprecht, Domänenräte Abbeck und Eberlein, Major Kunz, Oberrevisor Klausing und Dr. Weindel  [29]. Es wurden Gruben im Münstertal und vier Gruben im Kinzigtal aufgenommen [29]. Nur die Grube St. Anton im Heubachtal produzierte von 1834 bis 1850 mit guten Erfolg etwa 750 kg Silber und 190 kg Kobalterz [30]. Aus dem Kobalterz wurde im Blaufarbenwerk Kobaltoxide hergestellt, die als Blaupigmente Verwendung fanden. Da das Großherzogtum das Kapital für notwendigen tieferen Bergbau ab den 1840er Jahren nicht mehr aufbringen konnte, gründete man 1847 den Badisch-Englischen Bergwerksverein / Kinzigthal Mining Association (auch Kinzigthaler Bergbauverein, Kinzigthaler Bergbaugesellschaft genannt) mit Sitz und Karlsruhe und London. Das eingeworbene Aktienkapital konnte den Ausbau vorantreiben, stellte den Betrieb dann aber im Kinzigtal 1857 ein und vekaufte 1859 die Bergwerke an eine französische Gesellschaft [29]. 1864 stellte dann auch der Badische Bergwerkverein seine Aktivitäten im Kinzigtal ein. Seit 1972 wird die Grube St. Anton als geowissenschaftiches Observatorium Wolfach (Black Forest Observatory) bei Schiltach durch das KIT und die Universität Stuttgart betrieben.

Aktie des Badischen Bergwerksvereins

Abb. Aktie des Badischen Bergwerksvereins von 1835 (Quelle: Historisches Wertpapierhaus AG, Zorneding, Los 668).

Bedeutende Geologen Badens

Oberbergrat Carl Friedrich Erhard (*1740 Karlsruhe - 1811 Rastatt) wurde vom Markgrafen Karl Friedrich 1773 zum Studium an die Bergakademie Freiberg geschickt. Während dieser Zeit bis 1780 sammelte er für die Markgräfin Karoline Luise Minerale in Freiberg, Clausthal, Goslar, Dillenburg und Sulzberg. Zurück in Karlsuhe wurde er 1783 zum Bergrat, 1786 zum Kammerrat und 1806 Oberbergrat ernannt. Später wurde er Besitzer des Umweger Steinkohlebergwerks (vmtl. bei Steinbach/Varnhalt S' Baden-Baden) [28].

Oberbergrat Karl Wilhelm Volz (*1766 Sulzburg - 1817 Karlsruhe) arbeitete nach seinem Studium an der Bergakademie Freiberg und nachfolgender Arbeit in Schweden ab 1797 für das Bergamt Oberweiler und ab 1801 für das Rentkammerkollegium Karlsruhe. Er wurde 1807 zum Oberberg- und Forstrat ernannt.

Der Bergrat Christian Friedrich Münzig (*1778 Kieselbronn - 1853 Karlsruhe) wurde nach seinem Studium an der Bergakademie Freiberg und Tätigkeiten in Alpirsbach im Schwarzwald und Freiberg 1825 Direktor der Salinen-, Berg- und Hüttenwerke in Karlsruhe [28].  Im Wintersemester 1828/1829 lehrte er Bergbau an der Polytechnischen Schule Karlsruhe.

Johann Heinrich Daub (*1803 Salchendorf, Kr. Siegen - 1870 Wiesloch) arbeitete ab 1834 im Badischen Bergwerksverein im Münstertal bei Stauffen, den er später leitete. Mit der Übernahme der Grube durch eine englische Gesellschaft wurde er 1852 zum Direktor ernannt. 1853 wurde er Repräsentant der Societe des Mines et Fondieres de Zinc de la Vieille Montange in Karlsruhe und Berater der Wieslocher Erzgruben, und später mit der Gewinnung der Wieslocher Erzgruben beauftragt [28].

Bergrat Wilhelm Caroli (*1810 Lahr - 1899 Karlsruhe) arbeitete nach seinem Studium in Freiberg von 1833 bis 1836 für eine englische Bergwerksgesellschaft in Mexiko, anschliessend für die Saline in Rappenau, dann in den Hütten in Hausen und Kollnau und ab 1845 als Salinenverwalter in Dürrheim. Caroli wurde 1854 zum Bergrat und Mitglied der Direktion der Forste, Berg- und Hüttenwerke in Karlsruhe ernannt [28]. 

Bergrat Karl Alexander Max Braun (*1814 Karlsruhe - 1883 Baden-Baden), Bruder des Direktors des Karlsruher Naturalienkabinetts Alexander Braun (*1805- 1887), studierte an der Polytechnischen Schule Karlsruhe Geologie bei Walchner und wurde 1827 Berg- und Hüttenpraktikant. Nach Arbeiten im Kinzigtal, Münstertal und Erzgebirge arbeitete er in den Pyrenäen und Spanien und 1840 in Clermont-Ferrand als Ingeniéur de la Compagnie d'exploration des mines métalliques des Corbières [28]. Im selben Jahr veröffentlichte er zeitgleich mit Walchner eine Untersuchung zu Uranvorkommen im Schwarzwald. Nach Tätigkeiten in Algier, Huy (Belgien) stieg er bei der Société des Mines et Fonderies de Zinc de la Vieielle Montange zum Direktor von Moresnet (Belgien) auf und war Mitgründer der von Friedrich Wilhelm Hasenclever 1852 initiierten Hasenclever & Co., die 1856 in die Chemische Fabrik Rhenania AG in Stolberg-Atsch umfirmiert wurde. Sie entwickelten eine Verfahren, um aus der in Stolberg abgebauten Zinkblende Schwefelsäure und daraus Soda, und später auch Glaubersalz und Mineraldünger herzustellen. Durch verschiedene Fusionen zum Verein Chemischer Fabriken Mannheim, Kaliwerke Friedrichshall AG, Kaliwerke Neu-Staßfurt zur 1928 umbenannten Kali-Chemie AG, die 1992 von der Solvay GmbH übernommen wurde. Max Braun, der seit seiner Pensionierung in Aachen wohnte, verstarb bei einer Kur in Baden-Baden und wurde in Moresnet beerdigt.

Bergmeister August Fischer (*1813 Karlsruhe - 1884 Durlach) studierte an der Polytechnischen Schule Karlsruhe Bergwesen. Nach seinem Abschluss sammelte er von 1833 bis 1835 praktische Erfahrungen im Schwarzwald, Nassau, Westfalen und Harz [28]. Nach seiner Tätigkeit für die Direktion des Badischen Bergwerksvereins 1836 bis 1841 und Leitung der Blaufarbenwerke (Gewinnung blauer Farbe aus kobalthaltigem Erz) nahe Alpirsbach im Schwarzwald bis 1841 wechselte er zum Blaufarbenwerk Sophienau bei Hildburghausen in Thüringen und 1849 nach Oberkärnten zum Eisen- und Kupferbergbau [28]. 1856 wechselte er zur Saline Rappenau, die er ab 1859 bis zu seiner Pensionierung 1877 verwaltete [28].

Der Lehrer am Realgymnasium in Karlsruhe Prof. Dr. Philipp Platz (*1827 in Wertheim -1900 in Karlsruhe), war am 31.1.1870 Mitgründer und erster Vorsitzender der Sektion Karlsruhe des Deutschen Alpenvereins DAV (nur neun Monate nach Gründung des DAVs), Mitgründer des von Adolf Knop initiierten Oberrheinischen Geologischen Vereins am 17.8.1871 in Bad Rotenfels im Murgtal, und trug mit zahlreichen geologischen Beiträgen zu den Verhandlungen des Naturwissenschaftlichen Vereins Karlsruhe bei [40].

Der Geheime Oberbergrat Herrmann Honsell (*1842 Konstanz - 1918 Konstanz) studierte an der Polytechnischen Schule Karlsruhe und der Bergakademie Freiberg. Er trat nach Reisen nach Böhmen, Schlesien und Galizien in den badischen Staatsdienst ein und wurde 1875 Bergmeister der Saline Dürrheim, 1881 Bergrat an der Domänendirektion in Karlsruhe, 1893 Oberbergrat und 1904 Geheimer Oberbergrat [28]. 

Bergdirektor Leonard Buchrucker (*1863 Zeulenroda -1940 ebenda), er nach seinem Studium in Freiberg und Promotion in München im Juli 1891 als Bergmeister in Karlsruhe angestellt war. 1896 wurde er Bergmeister der Saline Dürrheim im Schwarzwald, ging 1898 auf einjährige Expedition nach China und wurde 1903 Bergdirektor der Schwarzwälder Erzbergwerke, insbesondere der Grube Schauinsland bei Freiburg [28].

Geologische Traditionen

Schutzpatronin der Geologen und Bergleute ist die Heilige Barbara von Nikomedien, dem heutigen Izmit in der Türkei (3. Jh.). Ihr Vater Dioskuros sperrte die schöne und kluge Barbara, die sich heimlich taufen liess und dem christlichen Glauben nicht abschwören wollte, neun Jahre in einen eigens gebauten Turm. Da er sie immer noch nicht vom Glauben ablassen wollte, wurde Sie von ihrem Vater dem römischchen Statthalter Marcianus vorgeführt. Auch der konnte Barbara trotz seiner grausamen Folter nicht vom Glauben abbringen, weil Christus immer wieder ihre Wunden heilte. Schliesslich wurde die Märtyrerin 29-jährig der Legende nach am 4. Dezember 306 n. Chr. von ihrem eigenen Vater enthauptet, der daraufhin vom Blitzschlag getroffen wurde und verbrannte. Der Gedenktag an die Heilige Barbara, die für Standhaftigkeit und Tapferkeit steht, ist der 4. Dezember. Er geht häufig mit Parade der Bergleute in Trachten und dem Barbarafest einher. Der Bergkittel, bereits 1719 in Sachsen eingeführt, erinnert mit seinen vorne neun goldenen Knöpfen, wovon die oberen drei in Erinnerung an die Dreifaltigkeit (Glaube, Hoffnung, Liebe) offen getragen werden, und den je fünf goldenen Knöpfen an den Ärmelaufschlägen und der Brust an die 29 Lebensjahre der Heiligen Barbara. Der schwarze Bergkittel symbolisiert die Dunkelheit Untertage, die goldenen Knöpfe das Licht der Sonne. Der Pelerinkragen auf der Schulter mit seinen 9 Zacken, urprünglich Schutz vor herabropfendem Wasser, erinnert an die 9 Jahre Gefangenschaft der Heiligen Barbara. Die Zopfborten an den Schultern symbolisieren Dochte der Grubenlampe, das Wappen befindet sich an der Schulter. Das Samtherz an der rechten Schulter zeigt die Zugehörigkeit: schwarz - Kohle-, grün - Erz-, Rot - Kalisalz-, grau - Steine und Erden-Bergbau, darüber befindet sich Schlägel und Eisen für den Bergbau, oder Tiegelzange und Abschlackeisen für die Hüttenleute. 

Der Schlägel (Schlegel, Fäustel) mit beidseitig viereckigem Querschnitt zum Einschlagen des Eisens sind seit dem 16. Jh. das Wappen der Bergleute und symbolisieren die Bergwerke. Das Bergeisen hat eine flache Schlagseite für den Schlägel, die sog. Bahn, und eine spitze Seite, das sog. Örtchen. Sie werden in Form des Andreaskreuzes abgelegt, wobei der Schlägel (Fäustel) auf dem Bergeisen liegt und das Griffholz des Schlägels nach rechts unten zeigt. Das spitze Bergeisen hat in der Mitte ein Auge, in das der Stiel (Helm) locker eingesteckt wird, um beim tiefen Einschlagen des Bergeisens in eine Kluft den Helm vorher herausziehen, und während einer Schicht stumpf werdende Bergeisen tauschen zu können. Das Griffstück des unten liegenden Bergeisens zeigt nach links unten, weil es mit der linken Hand gehalten wird, und liegt unter dem Schlägel. So konnten die Bergleute auch im Dunkeln auf der Zeche nach dem Gezähe [das Werkzeug der Bergleute] greifen. Zusätzlich hatten die Bergleute ihre persönliche Grubenlampe für die Arbeit untertage dabei. Als Geleucht wird jeglich künstliche Lichtquelle untertage bezeichnet.

Schlägel und Eisen

Abb. Schlägel und Eisen (Quelle: Wikipedia).

Das zudem getragene Arschleder schützte die Hose vor Nässe beim sitzenden Arbeiten und beim Einfahren in den Berg. Mit dem heute verzierten Steigerstock (Häckel) wurde vom Steiger untertage die Festigkeit des Gebirges durch Anklopfen festgestellt. Die Steiger sind Untertage die Aufsichtspersonen für zugewiesene Bergwerksbereiche, der Obersteiger ist die oberste Aufsichtsperson auf dem Bergwerk.

Steigerstock

Abb. Steigerstock (Häckel) mit Maß alle 10 cm.

Im 16. Jh. bildete sich im Erzgebirge der Gruß Glückauf!, der die Abkürzung des Grußes Ich wünsche dir Glück, tue einen neuen Erzgang auf! darstellt. Die Bergleute hatten das Privileg, Waffen zu tragen  [die sog. Bergbarte bzw. Barte, eine breite Streitaxt], insbesondere um sich auf dem Weg zu ihren Arbeitsplätzen zu schützen. Heute ursprünglich als Verteidigungwaffe der Bergleute dienende  Bergbarte ist heute als Paradewaffe stark verziert. Die Bergleute waren vom Kriegs- und Frondiensten befreit und hatten das Recht, Brot zu backen und Schnaps zu brennen. Dieses Recht ist auch in einer Strophe des Steigerlieds überliefert. Das Steigerlied aus dem Erzgebirge ist in der heute überlieferten Form von einer Festveranstaltung in Schneeberg 1678 dokumentiert. "Wir Bergleut sein’s kreuzbrave Leut, denn wir tragen das Leder vor dem Arsch [das sog. Arschleder] bei der Nacht [Untertage], und saufen Schnaps [die Bergleute hatten das Brennrecht]" reflektiert. Das Bergleder, das umgangssprachlich Arschleder genannt wird, schützte vor Feuchtigkeit beim sitzenden Arbeiten und beim einfahren auf Rutschen in den Berg. Die Bergleute waren klein [Schneewitchen und die sieben Zwerge der Gebrüder Grimm], weil sie tagsüber bei wenig Licht untertage arbeiteten [ua. durch Vitamin D Mangel]. Die Arbeit war schwer und gefährlich, ihren Kopf schützten Sie anfangs mit strohgefüllten Mützen [Zipfelmütze bei den sieben Zwergen]. 

Arschleder_Bergbarte

Abb. Bergleder, Bergbarte aus dem Museum Bernburg (Quelle)

Die alljährliche Barbarafeier, häufig am ersten Freitag im Dezember, ist der Schutzpatronin der Geologen und Bergleute gewidmet. Dazu gehört der Ledersprung der Erstsemester, der Aufnahmezeremonie des Montanwesens. Nach der Beantwortung der Fragen: Dein Name, deine Herkunft, dein Stand, dein Wahlspruch? und dem Trinken eines Glases Biers springt der Studierende von einem Bierfass über das Arschleder, dabei von den zwei ranghöchsten Personen an den Händen gehalten. Der Student erwirbt damit den Titel Ehrenbergfrau bzw. Ehrenbergmann und hat das Recht, einen Bergkittel zu tragen. An anderen Hochschulstandorten wird die Aufnahmezeremonie mit der Barbarataufe vollzogen. Auch das erstmalig im 16 Jh. aufkommende Steigerlied aus dem Erzgebirge gehört zur Barbarafeier.

  1. Glückauf, Glückauf ! Der Steiger kommt,
    l: und er hat sein helles Licht bei der Nacht :l
    schon angezünd‘t, schon angezünd‘t.
  2. Hat’s angezünd‘t, es gibt ein Schein,
    l: und damit so fahren wir bei der Nacht :l
    ins Bergwerk ein, ins Bergwerk ein.
  3. Ins Bergwerk ein, wo die Bergleut‘ sein,
    I: die da graben das Silber und das Gold bei der Nacht, :l
    aus Felsgestein, aus Felsgestein.
  4. Aus Felsgestein graben sie das Gold, 
    l: und dem schwarzbraunen Mägdelein, bei der Nacht, :l
    dem sein sie hold, dem sein sie hold.
  5. Und kehr‘ ich heim zu dem Mägdelein,
    l: dann erschallt des Bergmanns Gruß bei der Nacht, :l
    Glückauf, Glückauf, Glückauf, Glückauf!

    und beim Abgesang zur späten Stunde auch
  6. Wir Bergleut sein’s kreuzbrave Leut, 
    I: denn wir tragen das Leder vor dem Arsch bei der Nacht :l
    und saufen Schnaps, und saufen Schnaps.
  • schwarzbraun wurden die sonnengebräunten Menschen, Frauen, Männer und Kinder, der Arbeiterklasse genannt, z.B. auch in "Mein Mädel hat einen Rosenmund" von Johannes Brahms (1894)
  • Schnaps - die Bergleute hatten Privilegien wie das Brennrecht und damit einen Nebenverdienst.

Inzwischen haben neben der Freiberger Version aus dem Erzgebirge die Clausthaler und Ruhrgebietsversionen des Steigerlieds leicht unterschiedliche Texte. Heute noch ist das Steigerlied der Gruß der Fans auf Schalke. Im Ruhrrevier lautet die Version des Steigerlieds:

  1. Glückauf, Glückauf ! Der Steiger kommt,
    l: und er hat sein helles Licht bei der Nacht :l
    schon angezünd‘t, schon angezünd‘t.
  2. Schon angezünd‘t, das wirft sein Schein,
    l: und damit fahren wir bei der Nacht :l
    ins Bergwerk ein, ins Bergwerk ein.
  3. Ins Bergwerk ein, wo die Bergleut‘ sein,
    I: die da graben das Silber und das Gold bei der Nacht, :l
    aus Felsgestein, aus Felsgestein.
  4. Der eine gräbt das Silber, der andere gräbt das Gold, 
    l: und dem schwarzbraunen Mägdelein, bei der Nacht, :l 
    dem sein sie hold, dem sein sie hold.
  5. Ade, Ade, Herzliebste mein,
    I: und da drunten in dem tiefen finstern Schacht bei der Nacht :I
    da denk ich dein, da denk ich dein.
  6. Und kehr‘ ich heim zur Liebsten mein, 
    l: dann erschalltet des Bergmanns Gruß bei der Nacht, :l
    Glückauf, Glückauf, Glückauf, Glückauf!

und beim Abgesang zur späten Stunde auch

  • Wir Bergleut sein’s kreuzbrave Leut, 
    I: denn wir tragen das Leder vor dem Arsch bei der Nacht :l
    und saufen Schnaps, und saufen Schnaps. 

Hier das Steigerlied im europäischen Verbund verschiedener Bläser, und auf Schalke.

Geowissenschaftler am KIT

Bergrat Friedrich August Walchner (*1799 in Meersburg – †1865 in Karlsruhe) wurde 1825 der erste Professor für Geologie in Karlsruhe. 1855 wurde er pensioniert. Zusammen mit seinen 11 Gründungskollegen baute er die Polytechnische Schule Carlsruhe auf. Walchner studierte in Göttingen und Freiburg, wurde 1821 praktischer Arzt und 1822 in Freiburg zum Dr. med. promoviert. Seine Habilitation in Chemie und Mineralogie stellte er 1823 in Freiburg fertig und führte im selben Jahr den Geologen Dechen (1800-1888) auf seiner Reise durch Mitteleuropa  "zu den schwäbischen Salzwerken am Neckar und Kocher, wo der Bergbau auf festes Steinsalz gerade in Angriff genommen wurde ..." [53]. Walchner lehrte dann an der Universität Freiburg seit 1824 als außerordentlicher Professor Geognosie, Mineralogie und Chemie, wo er auch die dortige Gesteinssammlung begründete. Nach seinem Ruf an das Polytechnikum Karlsruhe lehrte Walchner Chemie, “Oryktognosie” (Mineralkunde, Mineralogie) und “Geognosie”.  

Die Zeit Walchners war geprägt von der dominanten Lehrmeinung des Freiberger Geologen Abraham Gottlob Werner (1749-1817), nach der sich alle Gesteine während der Sintflut aus dem Meerwasser abschieden (der sog. Neptunismus). Dem stellte sich u.a. der Heidelberger Professor Karl Cäsar von Leonhard (135, S. 12) in seinem Buch Geognosie und Geologie entgegen. Walchner (1839, S. 579) differenzierte bereits und schrieb, dass "die geschichteten Formationen (die Sedimentgesteine) neptunistischen, die massigen vulcanischen und plutonischen Wirkungen ihrer Entstehung verdanken, den höchsten Grad von Sicherheit zugestehen". Da Walchner auch über Dünen schrieb, hatte er die unterschiedlichen Ablagerungsbedingungen bereits richtig erfasst.

1838 wurde Walchner zum Bergrat ernannt und mit dem badischen Ritter-Orden vom Zähringer Löwen ausgezeichnet. Seit 1848 wurde er zum korrespondierenden Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften gewählt. Ab 1851 lehrte Walchner nur noch Geologie (Geognosie) und Mineralogie. Ebenfalls 1851 trat "Herr Walchner, Ober - Berg - Rath und Professor zu Carlsruhe, vorgeschlagen durch die Herren v. Carnall, Beyrich und Zerrenner" der Deutschen Geologischen Gesellschaft bei [44, S. 337, v. Carnall war 1860 Vorsitzender und Beyrich Schriftführer der DGG].  Walchner war nach der Neustrukturierung von Nebenius von 1832 bis 1836 zweiter Direktor der polytechnischen Schule. In dieser Zeit konnte die polytechnische Schule 1836 aus dem 1824 fertig gestellten südlichen Anbau des Lyceums in den Neubau an der Kaiserstrasse ziehen.

Walchner erkannte in Horbach südwestlich von St. Blasien 1847 den Nickelgehalt, worauf der Bergbau der nach ihm benannte Friedrich-August-Grube bis 1918 durchgeführt wurde. Auch für die Wiederaufnahme des vermutlich 1777 bei Nussloch beendeten Blei-Zink-Silber-Bergbaus zeichnet sich Walchner mitverantwortlich. Nachdem 1829 ein durch ihn veranlasster alter Schacht geöffnet wurde, aber nur wenig Galmei (Zinkkarbonat) förderte [2], wurde 1845 dann in einem Kalksteinbruch zwischen Wiesloch und Nussloch eine ein Meter mächtige Vererzung gefunden. Die Exploration in der Region wurde intensiviert, und 1851 wurde man in einem wiedergefundenen, mittelalterlichen Stollen fündig [3] und Bergbau mit einigen Unterbrechungen bis 1954 durchgeführt [1]. Bei der Exploration auf Steinkohle fand er die warmen Wässer in Rotenfels, die das dortige Bad begründeten. Da „ ... durch den kleinen umgehenden Kohlenbergbau jährlich noch keine 200,000 Zentner Steinkohlen gewonnen werden, ordneten seine Hoheit der Markgraf Wilhelm von Baden 1839 eine Bohrarbeit auf dem Gute Rothenfels an, deren Leitung mir übertragen wurde.“ Bei Bohrungen auf Steinkohle traf er bei 330 Fuß im Rotliegenden auf die Mineralquellen von Rothenfels, die zunächst in „in 24 Stunden nahezu 24 Fuder (Anm. 1 Fuder = 1500 Liter) mit einer „Temperatur von 16°R. (Anm. Reaumur: 80 Einheiten zwischen Gefrier- und Siedepunkt des Wassers, entspricht 20°C) schüttete und sich dann im Ausfluss verringerte. Nachdem „ärztliche Erfahrung seine Heilkräftigkeit außer Zweifel gesetzt hatten, liessen Seine Hoheit die Quelle, welche nun nach dem Namen Höchstihrer durchlauchtigsten Gemahlin, Elisabethen-Quelle genannt wurde“ (s. Walchner 1843), entwickelte sich Bad Rotenfels zum attraktiven Badeort.

Walchners Handbuch für Mineralogie und Geognosie (1831), eingegangen in Oken’s Allgemeiner Naturgeschichte für alle Stände als Erster Band: Mineralogie und Geognosie (1839, 860 Seiten) waren Referenzwerke ihrer Zeit. Auch sein Handbuch der gesammten Mineralogie in technischer Beziehung zum Gebrauche bei seinen Vorlesungen und zum Selbststudium (1832, 1104 Seiten), und sein Handbuch der Geognosie zum Gebrauche bei seinen Vorlesungen und zum Selbststudium (1846, 1120 Seiten) wurden viel zitiert. Walchner verfasste weitere Lehrbücher wie Die Chemie, volksfaßlich und in Beziehung auf die Gewerbe und das bürgerliche Leben bearbeitet (1849, 1130 Seiten) und Darstellung der geologischen Verhältnisse der am Nordrande des Schwarzwaldes hervortretenden Mineralquellen mit einer einleitenden Beschreibung der naturhistorischen Verhältnisse des zu Rothenfels bei Baden entdeckten Mineralwassers: mittopographischen Plan und einer Zeichnung (1843, 71 Seiten). Auch nach seiner Pensionierung befasste sich Walchner mit einigen bergmännischen Unternehmungen [28].

Walchner Friedrich August

Abb. Friedrich August Walchner (Quelle)

Walchner und die Demokratie: 1833 wurde Walchner als gewählter Abgeordneter des Wahlbezirks S8 in die demokratische Zweite Kammer der Ständeversammlung des 6. Badischen Landtags des Großherzogtums Baden gewählt. Die erste Kammer blieb dem Adel vorbehalten. Die Badische Ständeversammlung wurde 1819 eröffnet und gilt als die Wiege der Demokratie in Deutschland. 1848 war Walchner als Vertreter Badens Mitglied des in der Frankfurter Paulskirche im März und April 1848 tagenden Vorparlaments, welches die Wahl der Frankfurter Nationalversammlung im April und Mai vorbereitete. Das erste gesamtdeutsche, demokratisch gewählte Nationalparlaments trat am 18.5.1848 erstmalig zusammen. Ursache war die sich vom Großherzogtum Baden auf alle Staaten des Deutschen Bundes ausbreitende Deutsche Revolution von 1848/1849, die das Ziel eines deutschen Nationalstaats mit einer demokratischen Verfassung hatte. Sie wurde aber bis Juli 1849 durch das preußische und österreichische Militär blutig niedergeschlagen. 

In dem von dem liberalen Freiburger Professor Karl von Rotteck (*1775 in Freiburg -– †1840 in Freiburg, 1789 in den Adelsstand erhoben) und dem Freimauer und Freiburger Professor Karl Theodor Welcker (*1790 Ober-Ofleiden – †1869 Neuheim) 1834 herausgebrachten Staatslexikon – Encyklopädie der sämtlichen Staatswissenschaften für alle Stände verfasste Walchner einen Beitrag zu polytechnischen Schulen. Darin hebt er den Beitrag der polytechnischen Schulen für die industrielle Entwicklung hervor und bemängelt die finanzielle Ausstattung. Karl von Rotteck arbeitete mit Nebenius an der badischen Verfassung von 1818 und wurde 1819 als Vertreter der Universität Freiburg in die Erste Kammer der Badischen Ständeversammlung gewählt. Der von Großherzog Carl ernannten Regierung missfielen Rotteck‘s liberale Gedanken und sie versuchte durch Wahlbeeinflussungen und –manipulationen seine Wiederwahl zu verhindern. Karl von Rotteck stellte sich für die Zweite Kammer des badischen Landtags zur Wahl, in die er für den Wahlkreis Kenzingen-Endingen wie auch Walchner für Karlsruhe gewählt wurde. Karl Theodor Welcker war wie Walchner Mitglied des Vorparlaments, im Anschluss wurde Welcker im Pforzheimer Wahlkreis XIV als Abgeordneter der Nationalversammlung 1848/1849 gewählt. Welcker zählte zu den Gemäßigten und schloss sich in der Nationalversammlung der Casino-Fraktion, der politischen Fraktion der rechten liberalen Mitte, an [38, 39]. Auch der im Karlsruher Wahlkreis XIII gewählte Pfarrer Karl Zittel, Vater des späteren Professors Karl Alfred Ritter von Zittel, und zuvor von 1842-1851 Mitglied der Zweiten Kammer der Badischen Ständeversammlung und 1848 wie Walchner Mitglied des Vorparalaments, gehörte als gewählter Vertreter des Karlsruher Wahlkreises vom Mai 1848 bis Mai 1849 der Casino-Fraktion der Nationalversammlung an. Die liberale Casino-Fraktion war die stärkste Fraktion der Nationalversammlung. Vermutlich gehörte auch Walchner, der in Rottecks & Welckers "Das Staatslexikon: Encyklopädie der sämmtlichen Staatswissenschaften für alle Stände" zu Bergbau, Chemie und Polytechnischen Schulen publizierte, der Casino-Fraktion an. In [47] befürwortete Walchner mit weiteren 62 Abgeordneten, darunter Blum, den Zißschen Antrag, erklärten aber nach einer Stimmniederlage und Annahme des Antrags von Friedrich Daniel Bassermann (1811-1855),  "Die Unterzeichneten haben für die Ziß'schen Antrag gestimmt, "halten es aber für Pflicht, sicher Majorität der Absimenden zu unterwerfen und den Saal nicht zu verlassen."" Der Ziß'sche Antrag, auch von Ipstein unterstützt, beinhaltete, "der Bundestag müsse sich, bevor er zur Berufung der Nationalversammlung schreite, von jenen Ausnahmebeschlüssen lossagen und diejenigen Männer, die zu ihrer Hervorrufung und Ausführung beigetragen, aus seiner Mitte zu entfernen." [54:97]. Bassermann war ein populärer liberaler Politiker, der in die Badische Zweite Kammer, das Vorparlament und 1848 in die Frankfurter Nationalversammlung gewählt wurde. Ab 1840 gehörte er zum Kreis gemäßigt liberaler Politiker um den bekannten Johann Adam von Itzstein, den Oppositionsführer der Zweiten Kammer der Badischen Ständeversammlung

Walchner war seit 1817 Mitglied des 1812 gegründeten Corps Rhenania Freiburg, aus der sich 1818 der "Verein zur Bearbeitung wissenschaftlicher Gegenstände" und 1818/1819 dier Alte Freiburger Burschenschaft bildete [33]. Ob er bei dem ersten Wartburgfest am 18.10.1817 bei Eisenach beim Potest beiwohnte, an dem etwa 500 Studenten und Professoren wie der Naturforscher und Mediziner Lorenz Oken teilnahmen, ist unklar. Freiburg wurde nicht zum Wartbugfest eingeladen und führte ein äquivalentes Fest am 18.10.1818 auf dem Wartenberg bei Geisingen durch [33]. Walchner publizierte später in Okens Buchreihe Allgemeiner Naturgeschichte für alle Stände den ersten Band. Auf der Wartburg wurde u.a. gegen Kleinstaaterei und Leibeigenschaft, für Pressefreiheit, Gleichheit vor dem Gesetz und die Wahl von Volksvertretern demonstriert. Aus Furcht vor einer Revolution beschlossen die Staaten des Deutschen Bundes im September 1819 die Karlsbader Beschlüsse. Dadurch wurde die Presse zensiert und die Meinungsfreiheit eingeschränkt, die Universitäten überwacht, liberale Professoren entfernt und die Burschenschaften verboten. Die Streitigkeiten der Corps, der schweizerischen Zofingia und der Alten Freiburger Burschenschaft untereinander sollten 1824 mit der Gründung einer Allgemeinheit beigelegt werden, der Antrag wurde aber von den Behörden abgelehnt und die Burschenschaft aufgelöst [33]. Auch Walchner wurde nach dem abgelehnten Antrag von 217 Studenten im Januar 1824 wie viele anderer Mitglieder verfolgt und hart bestraft. Darunter befand sich auch der Ingenieur und Arzt Karl Franz Josef Bader (*1796 in Freiburg – †1874 in Freiburg), der ab 1832 Professor für Wasser- und Straßenbaukunde und Geodäsie an der polytechnischen Schule Karlsruhe war. Bader war seit 1818 Mitglied der Alten Freiburger Burschenschaft. Bader, der den Freiburger "Verein zur Bearbeitung wissenschaftlicher Gegenstände" und vermutlich das Freiburger Wartenfest 1818 wesentlich mitgestaltete, wurde 1819 verhaftet [33] und im November 1824 wegen „burschenschaftlichen Umtrieben“ zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt, aber noch vor Haftantritt im März 1825 begnadigt. Unter der Mitwirkung von Rotteck und Welcker, die schon in der alten Burschenschaft mitwirkten, wurde 1832 in Freiburg die neue Burschenschaft Germania gegründet. Von 1840 bis 1845 war Bader Direktor der polytechnischen Schule, während der badischen Revolution stand er auf Seiten der Monarchie. 1850 wurde er in den vorzeitigen Ruhestand geschickt. Die Verschärfung der Zensur und Versammlungsfreiheit durch den bayrischen König aufgrund der französischen Julirevolution 1830 entwickelte sich eine erneute Demokratiebewegung. Etwa 20.000-30.000 Menschen forderten beim Hambacher Fest bei Neustadt an der Weinstrasse (seinerzeit gehörte die Rheinpfalz zum Königreich Bayern) vom 27-30.5.1832 die nationale Einheit, Presse- und Versammlungsfreiheit sowie die Souveranität des Volkes. Letzteres reichte von Forderungen nach einer konstituellen Monarchie bis zur Demokratie. Die Bestrebungen wurden schliesslich vom bayrischen König unterdrückt. Gemäßigt Liberale wie Rotteck und Welcker, und vermutlich auch Walchner nahmen an dem Protest nicht teil. Bei der Badischen Revolution 1848/1849 war der Sohn Karl von Rotteck jun. (1806 Freiburg - 1898 Woodstock bei St. Louis). Nach der Niederschlagung musste er über die Schweiz in die USA fliehen. Er wurde in Abwesenheit zu 20 Jahren Gefägnis verurteilt und sein Vermögen eingzogen. Auch andere Aufständische wie der katholische Theologe, Jurist und Philosoph Franz Joseph Richter (*1801 in Kappel – †1865 in New York), seit 1820 Mitglied der Alten Freiburger Burschenschaft und wie Walchner 1824 angeklagt, musste später flüchten. Richter war 1842 bis 1848 Mitglied der Zweiten Badischen Kammer, 1848/1849 der Frankfurter Nationalversammlung und favorisierte ein Staatsmodell nach dem Vorbild der USA.  Nach der Niederschlagung der Deutschen Revolution wurde er in Abwesenheit wegen Hochverrats zu 15 Jahren Gefängnis verurteilt, und floh 1850 über die Schweiz und Frankreich in die USA, wo er ab 1851 als Anwalt tätig war.

Karl Ludwig Fridolin Ritter von Sandberger (*1826 Dillenburg – †1898 Würzburg) folgte Walchner und wurde als ordentlicher Professor für Geologie und Mineralogie an das Polytechnische Institut Karlsruhe berufen und lehrte von dort von 1855 bis 1863, bevor er eine Professur an der Universität Würzburg annahm [17]. Zu dieser Zeit waren Ruf und Gehalt an Universitäten wesentlich besser als am Polytechnikum Karlsruhe. Sandberger lehrte in Karlsruhe Mineralogie, Paläontologie, Geologie und Erzmineralogie. Er wurde 1870 Mitglied der Bayrischen Akademischen Wissenschaften, 1875 zum Ehrenmitglied der Geological Society, in den Ordensadel des Königreichs Bayerns als "Ritter von" erhoben, und erhielt zahlreiche weitere Auszeichnungen wie die Cothenius-Medallie als höchste Auszeichnung der Leopoldinisch-Karolinische deutsche Akademie der Naturforscher 1876 [17].

Sandberger erkannte den Nutzen der Bodenhorizonte in Gesteinen (Karneolschichten) an der Grenze vom mittleren zu oberen Buntsandstein zur stratigraphischen Korrelation in den fossilleeren Gesteinen. Aufgrund der hervorragenden Arbeiten zur Gliederung des Devons wurden 1856 er und sein Bruder Guido von der Geological Society mit der Wollaston Stiftung zu weiteren Untersuchungen finanziell unterstützt. 1856 wurde er mit der geologischen Landesaufnahme Badens im Maßstab 1:50.000 beauftragt und richtete im selben Jahr die Jahrestagung der Deutschen Geologischen Gesellschaft in Karlsruhe aus. Er veröffentlichte das erste Blatt Mühlheim bei Badenweiler bereits 1858. Neben seinen geologisch-paläontologischen Arbeiten zum Rheinischen Schiefergebirge, Rhön, Haardt, Mainzer Becken u.a. arbeitet Sandberger auch zu metallischen Lagerstätten wie zum Bergbau um Freudenstadt und andernorts. Er war ein Verfechter der Erzbildung in Gängen und Spalten durch Lateralsekretion aus dem Nebengestein, ein Modell, welches in den 1850er Jahren von Bischof, Breithaupt, Cotta und Forchhammer gegen den Widerstand der meisten Geologen dieser Zeit entwickelt wurde. Sandberger unterstrich die Bedeutung der Lateralsekretion für den Bergbau und den Staat: „Die Wichtigkeit der Sache für die Volkswirthschaft springt sofort in die Augen. Im dem ersten Falle ist direkt oder indirekt eine Bereicherung des Staatsvermögens zu erwarten, in dem zweiten aber werden die Kosten erspart, welche vergebliche Versuche verursachen würden, und die sich nicht selten auf Hunderttausende belaufen“ [17].

Sandberger Fridolin von

Abb. Karl Ludwig Fridolin von Sandberger (Quelle)

Von 1863 bis 1866 folgte Karl Alfred Ritter von Zittel (*1839 in Bahlingen – †1904 in München), ein bekannter Paläontologe seiner Zeit, auf seinen Lehrstuhl. 1866 wurde er auf den einzigen Lehrstuhl für Paläontologie in Deutschland an die Universität München berufen wurde und dort in den Ordensadel des Königreichs Bayerns als "Ritter von" erhoben wurde. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, wie 1894 die Wollaston Medallie der Geological Society, und war seit 1869 Mitglied der Bayrischen Akademie der Wissenschaften, 1896 Mitglied der Russischen Akademie der Wissenschaften u.v.a.m.. Sein Vater, der evangelische Pfarrer Karl Zittel (*1802 in Schmieheim – †1871 in Karlsruhe) war ein führender Vertreter des Liberalismus in Baden und gehörte wie Walchner dem Frankfurter Vorparlament an. Karl Alfred Ritter von Zittel gilt als Mitbegründer der Paläontologie, sein Handbuch der Paläontologie (1876-1891) setzte den Standard seiner Zeit, und wurde ins Französische, Russische, und Englische übersetzt. Der vielfach national und international ausgezeichnete von Zittel war von 1886 bis 1889 Präsident des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins. Sein Nachruf wurde nicht nur in der Naturwissenschaftlichen Wochenschrift, sondern auch in der Zeitschrift Nature, 69, 253-255 veröffentlicht.

Zittel

Abb. Karl Alfred Ritter von Zittel (Quelle)

Geheimer Hofrat Adolf Knop (*1829 Altenau, Harz – †1893 Karlsruhe) wurde 1866 als ordentlicher Professor für Geologie und Mineralogie an die TH Karlsruhe berufen. Neben seiner Forschung zu Mineralchemie und Gesteinsanalytik war er 1871 der Gründervater des OGV Oberrheinischer Geologischer Verein e.V. und Errichter der Badischen Geologischen Landesanstalt. Er war Direktor (heute Präsident) des KIT von 1874 bis 1875. Ihm wurde 1877 die Bezeichnung Hofrat verliehen und er wurde 1884 zum Geheimen Hofrat ernannt. Seit 1878 stand er nach dem Tod von Moritz August Seubert (1818-1878) auch dem Großherzoglichen Naturalienkabinetts des Karlsruher Naturkundemuseum, erbaut von 1866-1872, vor und leitete die geologische Landesaufnahme. 1872 erhielt er den Ritterorden vom Zähringer Löwen, 1881 wurde er in die Leopoldina aufgenommen [18]. 1894 wurde nach ihm Calcium-Titan-reicher Perowskit (Ca,Ti,Ce)2OKnopit benannt. Er erkannte am Kaiserstuhl die am seltenen Element Niob reichen, kirschroten Pyrochlor-Minerale, die er nach dem Heidelberger Chemiker Prof. Dr. Kopp Koppit nannte [26].

Als Vorsitzender des OGV lud Adolf Knop 1890 die Naturforscherin Maria Gräfin von Linden (*1869 Schloss Burgberg bei Heidenheim – †1936 in Schaan, Lichtenstein) zum Vortrag über die Indusienkalke zur Jahresversammlung des OGV in Sigmaringen ein, und wurde 1891 das erste weibliche Mitglied des OGV. Da von Linden's Vater seiner zwanzigjährigen Tochter verbot, den Vortrag ("das verwegene Auftreten ..") zu halten, verlas ihn Knop und sorgte für seine Veröffentlichung [6]. Maria Gräfin von Linden war die erste Abiturientin Württembergs (mit Sondergenehmigung), die erste Studentin Württemberbergs in Tübingen (mit Sondergenehmigung des Königs), die erste, 1895 in Tübingen promovierte Naturwissenschaftlerin Deutschlands, und seit 1899 Assistentin am Zoologischen und Vergleichend-Anatomischen Institut der Universität Bonn, wo man ihr die Venia Legendi versagte, aber 1910 als Titularprofessorin den Vorstand der Parasitologie an der Universität Bonn bis zu ihrer Zwangspensionierung 1933 zugestand. In Bonn wohnte von Linden viele Jahrzehnte bei der Familie von Heinrich Hertz, denen sie 1935 zur Flucht nach Norwegen verhalf. Sie musste ihr Schloss verkaufen, emigrierte sie nach Lichtenstein wo sie verarmt verstarb.

Gräfin Maria von Linden nach einer Aufnahme von Hof-Photograph Hornung in Tübingen

Abb. Gräfin Maria von Linden 1895 (Quelle)

Knop erkannte, „… dass das Rheinthal seine Entstehung einer Versenkung vertical gespaltener Gebirgsmassen verdankt, wird lebhaft unterstützt durch das Auftreten von Thermalquellen ....“.  die tektonischen Störungen des Rheintals ("die Spalten") das Vorhandensein von Sedimenten im Oberrheingraben und Kristallingesteinen sein müsse. Damit wandte er sich gegen die vorherrschende Meinung von Abraham Gottlob Werner aus Freiberg (*1749 in Wehrau – †1817 in Dresden). Werner war Verfechter des Neptunismus, wonach alle Gesteine als Sedimente während der Sintflut abgelagert worden seien - zuoberst die Sedimente, darunter die Metamorphite und darunter die Magmatite (die aus dem Wasser kristallisierten). So steht 1872 zum Vortrag von Prof. Platz in den Verhandlungen des naturwissenschaftlichen Vereins in Carlsruhe [12]: "Herr Professor Platz spricht über die Geschichte der Geologie des Oberrheines. Der Vortrag, über den der Redner selbst ein Referat für unsere Berichte zu liefern verspricht, soll in der nächsten Sitzung beendet werden. An den Vortrag schloss sich eine Discussion, in der zunächst gefragt wird nach der Quelle der Sandmassen, die unser badisches Land zum grossen Theil in Form des rothen Sandsteines bedecken. Eine Auskunft in dieser Richtung konnte nicht gegeben werden. - Sodann betraf die Discussion die Frage, wie sich das Rheinthal gebildet habe. Dass dabei Spalten entstanden sind, die das Rheinthal auf beiden Seiten begrenzen, ist über jeden Zweifel erhaben. Entgegen der Ansicht, die der Redner vertritt, dass die Ufer sich gehoben, das Thal in der früheren Lage geblieben ist, macht Herr Prof. Knop geltend, dass der mittlere Theil gesunken sei, die Ufer des Thales aber stehen geblieben wären. Knop weist auf die grosse geologische Wichtigkeit dieser Spalten hin, die das Rheinthal auf beiden Seiten begrenzen in Linien, die in der Gegend von Belfort sich schneiden. Diese Spalten seien jedenfalls sehr tief, auf ihnen lägen auf beiden Seiten des Rheinthales die Thermalquellen, in ihnen hätte man vielleicht die Veranlassung zu den Erdbeben, die häufig unsere Gegend heimsuchten."

Knop arbeitete auch an Steinkohlen-Formationen und zu Granit- und Gneisbildung. 1877 zeigte Knop, das der Aachtopf als größte Quelle Deutschland sich aus der Donauversickerung speist, was er mit einem Tracerversuch mit 10 kg grünem Natriumfluorescein, 20 t Salz und 1200 kg Schieferöl nachwies. 1879 schrieb Knop an das Großherzogliche Handelsministerium Karlsruhe über seine Entdeckung von Erdöl in den Arietenkalken des schwarzen Juras bei Niedereggenen am Kaiserstuhl. „Indessen haben diese Vorkommnisse auch ein nicht zu unterschätzendes technisches Interesse. Es ist bekannt, das im Elsaß, bei Bechelbronn Bitumen mit großem Vortheil gewonnen wird … Auch erinnere ich mich, daß früher bereits mir von einem Mannheimer Industriellen die Frage vorgelegt wurde, ob es innerhalb der Grenzen Badens bituminöse Gesteine gäbe, welche sich für eine neu construirten Apparat zur Darstellung von Leuchtgas eigneten? Ich konnte damals nur auf die bituminösen Schiefer (ebenfalls im Lias) der Gegend von Bruchsal und Langenbrück verweisen.“ Ebenfalls 1879 richtet Knop vom 26.-29. September die Jahrestagung der Deutschen Geologischen Gesellschaft in Baden-Baden aus. Dazu präsentiert er die Uebericht über die geologischen Verhältnisse von Baden-Baden [42].

Knop Adolf

Abb. Adolph Knop (Quelle)

Ein weiterer für die Entwicklung der Geowissenschaften wichtiger ordentlicher Professor in Karlsruhe war der Physiker Otto Lehmann (*1855 in Konstanz – †1925 in Karlsruhe), der Heinrich Hertz 1889 auf den Lehrstuhl für Physik folgte. Lehmann ist bekannt als der Vater der Flüssigkristalle und durch seine Experimente zu Kristallwachstum unter dem Lichtmikroskop.

Der Mineraloge Reinhard Anton Brauns (*1861 in Eiterfeld – †1937 in Bonn), einer der führenden Mineralogen seiner Zeit, übernahm als ordentlicher Professor den Lehrstuhl für Geologie und Mineralogie an der TH Karlsruhe im März 1894, blieb aber nur ein Jahr. Er übernahm die Leitung der geologisch-mineralogischen Abteilung des Naturalienkabinetts von Knop [16]. Im Jahr 1895 wechselte Brauns an die Universität Giessen, 1904 nach Kiel und 1907 nach Bonn. Er gehört 1908 zu den Gründern der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft. Seine Bücher Chemische Mineralogie (1899, 482 Seiten), Mineralogie (1893) fortgeführt in der 8. Auflage von Karl F. Chudora seit 1943 und seit 1955 bis 1979 als zwei Bände Allgemeine Mineralogie und Spezielle Mineralogie, Das Mineralreich (1903, 440 Seiten) 1912 ins Englische übersetzt als The Mineral Kingdom, waren Standardwerke ihrer Zeit.

Carl Josef Xaver Futterer (*1866 in Stockach – †1906 in Karlsruhe) folgte 1895 bis 1904, zunächst als außerordentlicher Professor und 1897 als ordentlicher Professor für Geologie und Mineralogie an der Technischen Hochschule. Ab 1899 stand er der geologisch-mineralogischen Abteilung des großherzoglichen Naturalienkabinetts vor [16]. Nach seiner geologischen Promotion 1889 in Heidelberg wurde er Schüler des Geologen Ferdinand Freiherr von Richthofen (*1833 in Carlsruhe, Schlesien – †1905 Berlin) in Berlin, wo er 1892 habilitierte. In Karlsruhe richtete Futterer um die Jahrhundertwende das Geologisch-Mineralogische Institut im dritten Stock des Ostflügels im Hauptgebäudes ein [26]. Futterer führte in Karlsruhe weiterhin große Expeditionen durch. Neben seinen Arbeiten zu Baden führte ihn seine expeditionsbasierte Geologie und Paläontologie in die Alpen, den Ural und nach Ostafrika. Seine ausgedehnte, zweijährige Expedition führte ihn ab 1.8.1897 zusammen mit  dem badischen Juristen und Amtmann Julius Holderer durch Zentralasien, über das Pamir-Gebirge und entlang des Gelben Flusses durch Tibet bis Shanghai. Futterer gilt als der erste und beste geologische Asienforscher. Er verstarb früh im Alter von 40 Jahren an einer unheilbaren Nervenerkrankung. Die geologischen und geographischen Ergebnisse seiner zahlreichen Expeditionen veröffentlichte er 1895 in dem Buch Afrika in seiner Bedeutung für die Goldproduktion (191 S.), 1901 in dem bedeutenden dreibändigen Werk Durch Asien und 1902 Geographische Skizze der Wüste Gobi.

Futterer_Karl

Abb. Karl Futterer (Quelle).

Wilhelm Paulcke (*1873 in Leipzig – †1949 in Karlsruhe) hatte den Lehrstuhl für Geologie und Mineralogie ab 1905 als außerordentlicher Professor und ab 1911 als ordentlicher Professor inne und wurde Rektor der TH Karlsruhe von 1919 bis 1920. Seit 1924 war er Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Als hervorragender Skifahrer forcierte er den Sport und gründete 1905 den deutschen Skiverband. Nach seinem Abitur 1893 in Lörrach führte er einen freiwilligen einjährigen Militärdienst im Jägerbatallion 8 in Schlettstadt (Elsaß) durch, bevor er 1894-1899 Zoologie mit Nebenfach Geologie und Mineralogie in Freiburg und Zürich studierte und 1899 am Zoologischen Institut in Freiburg bei August Weissmann promovierte. Weismann (*1834 in Frankfurt – †1914 in Freiburg) gilt nach Charles Darwin als wichtigster Evolutionsforscher seiner Zeit und begründete den Neodarwinismus. Paulcke habilitierte 1901 bei dem Geologen Steinmann (*1856 in Braunschweig – †1929 in Bonn) in Freiburg und war dort bis 1905 als Pivatdozent tätig [37].

Im 1. Weltkrieg führte Paulcke den Militärskilauf ein und war als Offizier und Gebirgsjäger-Ausbilder in den Vogesen, Dolomiten, Karpaten und in der Türkei im Einsatz. Er erhielt mehrere Kriegsorden wie das Eiserne Kreuz II. und I. Klasse, den Türkischen Eisernen Halbmond, das Verwundetenabzeichen und das Frontkämpferkreuz [45]. Auch anderweitig wurde Paulcke ausgezeichnet. So erhielt er den Königlich Preussischen Kronenorden IV. Klasse, die Großherzog Friedrich Jubiläumsmedallie, den Russischen St. Anna Orden - Ritterkreuz [47] und den Zähringer Löwen Orden I. Klasse [45]. Während seines Weihnachtsurlaubs 1917 erlitt er die Kriegsnephritis (Hanta-Virus) mit blutiger Nierenentzündung, sodass er ein halbes Jahr im Lazarett verbrachte. Anschliessend war Paulcke nicht mehr an der Front einsatzfähig, übernahm als Platzmajor das Garnisonkommando in Karlsruhe bis zum Ende des Krieges Ende 1918, und arbeitete anschliesssend wieder als Professor [49:236].

Paulcke führte den Universitätssport in Karlsruhe ein, indem er das Universitätsgelände in schwierigen Verhandlungen 1918 durch Überlassung des Fasanengartens vom Großherzog erweitern und 1919 mit dem Bau der ersten großen deutschen Hochschulsportanlage beginnen konnte [49:238]. Er initiierte den Bau des heute denkmalgeschützten Hochschulstadions mit Sporthalle (fertiggestellt 1927) und überdachter Tribüne (fertiggestellt 1930) und stellte den ersten Hochschul-Sportlehrer August Twele ein [25, 27]. Er war Vertreter der Professoren und Förderer im nationalen akademischen Ausschuss der Deutschen Hochschule für Leibesübungen DHfL, die zwischen 1920 bis 1935 Sportlehrer ausbildete und dann durch die Nationalsozialisten geschlossen wurde. 

Paulcke war ein ausgezeichneter Bergsteiger mit zahlreichen Erstbesteigungen wie 1885 den Battert bei Baden-Baden, wo 1890 die Route nach ihm benannt wurde, 1898 die erste Alleinbegehung des Matterhorn Nordost- und Nordwestgrads, 1906 in der Silvretta die Erstbesteigung der Heidelberger Spitze und v.a.m. [22]. Trotz seiner Kriegsverletzung am Bein, die ihm bis zu seinem Tod Beschwerden bereitete, plante er Exkursionen mit seinen Studenten so, dass er die Aufschlüsse möglichst mit dem Auto erreichen konnte. "Nach dem Kriege was es für mich - wegen meiner schweren Kriegsbeschädigng - aus mit den Bergturen und längeren Wanderungen .. Ich war dankbar, daß vor allem die Augen gesund geblieben waren! Ich konnte sehen und arbeiten! Aber es mußten Mittel und Wege gefunden werden, hinaus zu kommen! Zuerst stellte mir in großzügiger Weise die Firma Daimler-Benz einen geräumigen offenen 8/38-Wagen zur Verfügung; dann stifteten mir Schwager Hans Ringier und treue Hochschulfreunde einen eigenen Wagen vom gleichen Typ, und ich konnte meinen Dank mit Ölgemälden für diese und mich zuerst kaum faßbare große Wohltat abstatten." [49:239].

Paulcke war seit 1900 der Schweizerin Maria Ringier, der Tochter des liberalen schweizer Politikers (FDP) und Regierungsrats des Kanton Aargau Arnold Ringier, verheiratet und hatte zwei Töchter Randi (geb. 1901) und Heidi (geb. 1905). Beide evangelischen Eltern traten später aus der Kirche aus [45]. 1909 lernte Paulcke den verheirateten Prinzen Maximilian von Baden (*1867 in Baden-Baden – †1929 in Konstanz) kennen. Mit ihm ging er ab 1912 eine enge Beziehung ein, wie aus einem Briefwechsel zwischen Max von Baden und Maria Paulcke hervorgeht [19]. Dass er seine Frau und die Töchter Randi und Heidi in seiner Autobiographie von 1936 Berge als Schicksal kaum nennt, wird damit assoziiert, dass seine Frau Vierteljüdin sei [23].

Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten im März 1933 erfolgte die "Gleichschaltung in den Ländern" und durch den Erlaß des Ministers des Kultus, des Unterrichts und der Justiz vom 7.4.1933 löste Hans Kluge (Rektor 1933-1935) den vorherigen Rektor Karl Holl (Rektor 1931-1933, nun Prorektor) ab, und Wilhelm Paulcke wurde zum Vertreter des Großen Rat benannt [8]. Paulcke liess sich 1935 vorzeitig emeritieren und lebte bis zum Ende des 2. Weltkriegs am Ammersee. Als Grund gab er seine Beschwerden als Folge seiner Kriegsverletzung an, nach dem 2. Weltkrieg schrieb er zu seiner vorzeitigen Emeritierung: „Ich selbst liess mich dann bald freiwillig vorzeitig emeritieren um meine persönliche Freiheit zu gewinnen und weil mir die Führung der körperlichen – sportlichen Erziehung der Studierenden, die ich begründet und an der Hochschule bis dahin inne hatte, genommen worden war.“

Paulcke war 1936 in Garmisch Mitglied des Olympischen Komitees, 1942 wurde er "in Anerkennung seiner hervorragenden Verdienste zur Körperertüchtigung der akademischen Jugend, die er sich, zumal in der Zeit Deutschlands tiefster Erniedrigung, vor allem durch Einführung des Pflichtsports an der Technischen Hochschule und durch Schaffung des Hochschulstadions erworben hat, sowie in Würdigung seiner bahnbrechenden Förderung des Schilaufs in Mitteleuropas" [7] zum Ehrenbürger der TH Karlsruhe ernannt. Am 8.4.1943 erhielt er zu seinem 70. Geburtstag vom Reichsminister des Innern Dr. Frick die von Hindenburg 1932 gestiftete Goethe-Medaille für Kunst- und Wissenschaft sowie den Großen Ehrenbrief des Nationalsozialistischen Reichsbundes für Leibesübungen. Paulcke kannte Frick von Früher als Bergsteiger und Skiläufer. Die Überreichung der Auszeichnung durch den Reichsminister Frick in Paulckes Privathaus am Ammersee löste im Rektorat der TH Karlsruhe große Irritationen aus, die eine große Zeremonie geplant hatten. Ob auch politische Themen diskutiert wurden, auch im Hinblick auf Paulckes familiäre Situation, bleibt zu klären. Frick wurde am 26.8.1943 von Heinrich Himmler abgelöst und als Reichsprotektor von Böhmen und Mähren 1943 nach Prag versetzt. 1945 wurde Frick verhaftet, und am 16.10.1946 vom Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg aufgrund seiner Verbrechen gegen den Frieden, gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen mit dem Strang hingerichtet.

Paulcke gab an, von 1938 von 1944 Mitglied der NSDAP gewesen zu sein [47]. In den Akten des Ministeriums [45] wurde keine "Politische Betätigung" dokumentiert und keine Mitgliedschaft in der NSDAP, jedoch seine Mitgliedschaft im Nationalsozialistischen Lehrerbund NSLB und im Nationalsozialistischen Deutschen Frontkämpferbund (Stahlhelm) NSdFrB Stahlhelm. Der Stahlhelm - Bund der Frontsoldaten wurde von Veteranen kurz nach dem Ende des ersten Weltkriegs 1918 gegründet, 1933/1934 der SA unterstellt während die alten Mitglieder 1934 in den umbenannt NSdFrB Stahlhelm überführt wurden, der 1935 von den Nationalsozialisten aufgelöst wurde. In der Akte des Reichssicherheitshauptamts wird Paulcke als "Früher o. Prof. an der Technischen Hochschule, Karlsruhe. Ohne Anstellung. Ent.: Verzeichnis amtsenthobener Prof. (Notgem. Dt. Wissenschaftler im Ausland - 1936)" geführt [46].  

Im April 1942 bittet Paulcke den Rektor Rudolf Weigel (Rektor 1935-1945) um Unterstützung bei der Beschaffung des Ahnenpasses, den Paulcke für sich und seine Frau beim Ministerium vorzulegen habe. „Ich gehöre seit 1934 als „Maler und Graphiker“ der Reichskammer der bildenden Künste an und nun haben sie in Berlin herausbekommen, dasß ich nach einem Paragraphen nicht „listenmäßig in der Kammer geführt“ werden kann, da ich diesen Beruf nur „nebenamtlich“ ausübe. .. Nun darf ich wenigstens auch in Zukunft – mit einem neuen Ausweis versehen, meine Arbeiten weiterhin, „wie bisher in der Oeffentlichkeit übermitteln und verkaufen“. Aber nun soll ich, nachdem dies wiederholt geschehen ist, auch nochmals für die Reichskammer der bildenden Künste für mich und meine Frau die einwandfreie Beibringung der arischen Abstammung übermitteln.“ Er weist auf seine Tochter in Pforzheim hin, die sich „… einen „Ahnenpaß“ besorgt hat, den ich mir nun auch abschreiben und ausstellen lassen will.“ Der Rektor Rudolf Weigel antwortet im April 1942, dass der TH Karlsruhe die Unterlagen nicht vorlägen und die Hochschule nicht helfen könne, aber „Wenn Sie aus irgendwelchen Gründen diesen Weg nicht beschreiten wollen oder können, bitte ich Sie, die oben erwähnten Urkunden hierher einzusenden. Ich würde gerne versuchen, den gewünschten Nachweis durch das badische Unterrichtsministerium erstellen zu lassen.“ Ob Weigel um die familiäre Situation von Paulcke wusste bleibt zu eruieren.

Paulckes breite akademischen Interessen beinhalteten die Lawinenforschung, alpine Tektonik, Korrelationen im Schweizer Flysch mit Hilfe von Paläontologie, und die experimentelle Strukturgeologie (Das Experiment in der Geologie, 1912, 108 Seiten). Er studierte bei Gustav Steinmann in Freiburg das Engadiner Gebiet und bestätigte, dass es sich um ein tektonisches Fenster handelte, über dem sich nach Norden die Gneise der ostalpinen Silvretta-Decke anschlossen. Dazu veröffentlichte er die ersten Profile von geologischen Decken mit weitreichenden Überschiebungen. Bei einer Exkursion zum Tauerfenster erkannte er die Korrelation zun den Westalpen und begründete damit des Unterostalpin. In seinem Buch Berge als Schicksal (1936) stellte er nochmals die Wichtigkeit von Geländegeologie und experimenteller Geologie heraus. Nach seiner Teilnahme am Geologenkongress in Toronto bereiste er mehrere Wochen Kanada und die USA vom Atlantik bis in die Rocky Mountains [49: 164 ff]. Mit dem Pferd besuchte er Charles Doolitte Walcott (*1850 New York Mills – †1927 Washington D.C.) und dessen Tochter und Sohn in seinem Zeltlager der kanadischen Rocky Mountains, die dort gemeinsam nach Fossilien suchten.

Walcott and his kids, Burgess shale

Abb. Walcott und seine Kinder Sidney Stevens (1892-1977) und Helen Breese Walcott (1894-1965) bei ihrer Arbeit im Burgess Schiefer (Quelle Smithonian)

Neben seiner Festrede Über Entwicklungsgesetze zur Übergabe des Rektorates (1920) veröffentlichte er zahlreiche Bücher wie Steinzeitkunst und moderne Kunst (1923), Berge als Schicksal (1936), Praktische Schnee- und Lawinenkunde (1938), Gefahrenbuch des Bergsteigers und Skiläufers (1942), Gefahren der Alpen (bis 1987 weitergeführt von Helmut Dumler). In seiner Freizeit widmete er sich dem Malen, seine Naturbilder wurden in Karlsruhe, Freiburg, Mannheim, Wien und Budapest ausgestellt [20].

Paulcke Wilhelm

Abb. Wilhelm Paulcke 1898 (Quelle)

Martin Henglein (*1882 Sonderriet – †1963 Karlsruhe) wurde nach seiner Habilitation in Freiberg 1911 im Jahr 1917 außerordentlicher, und später außerplanmäßiger Professor für Mineralogie und Lagerstättenlehre an der TH Karlsruhe. Er arbeitete unter anderem zu den Lagerstätten des Schwarzwalds wie den Blei-Zink Vererzungen von Schauinsland bei Freiburg (Erz- und Minerallagerstätten des Schwarzwaldes, 1924, 196 S., Schweizerbart). 1961 wurde er zum Ehrenmitglied des Oberrheinischen Geologischen Vereins ernannt.

Vom 1.4.1937 bis 1945 hatte Karl Georg Schmidt (*1902 Karlsruhe – †1976 Bonn) den Lehrstuhl Geologie und Mineralogie inne [51]. Er promovierte 1925 bei Johannes Ernst Wilhelm Deecke in Freiburg. 1929 trat er in die NSDAP ein. Der Ingenieurgeologe Schmidt, zuvor als Assistent in Freiberg tätig, wurde am 1.4.1936 Lehrbeauftragter, und am 2.2.1937 zum ordentlichen Professor ernannt. Am 18.12.1927 erhielt er den Gestellungsbefehl für einen zweimonatigen Ufa-Lehrgang des Heeres in Heilbronn vom 26.1.1938 bis 25.3.1938. Am 11.7. bis 22.8.1939 wurde Prorektor Schmidt zu einer Wehrübung beim Inft.Reg. 109, 7. Komp., einberufen. Mit Kriegsbeginn wurde Schmidt als Wehrgeologe eingezogen, zur Druchführung von Prüfungen musste Rektor Weigel bei Wehrbezirkkommando um Urlaub für Schmidt zur Abhaltung von Prüfungen bitten. Am 24.9.1941 wird Rektor Weigel vom Wehrbezirkskommando Karlsruhe Abt Luftwaffe "...gebeten, nachstehend eine möglichst genaue Auskunft über seine Persönlichkeit, Lebensauffassung, öffentliches Ansehen, der seine wirtschaftlichen und familiären Verhältnisse, evtl. der militärischen Tätigkeit, sowie der Betätigung in der Öffentlicheit, Staat, Partei und Organisation zu erteilen", da Schmidt sich zur Übernahme des Beamt.-Korps d.B. gemeldet hatte. Der Rektor antwortet noch am 24.9., "... Sch. gehört seit 1929 der NSDAP an und zählt zu den Vertrauensleuten der nationalsozialistischen Bewegung auch innerhalb unserer Hochschule." Im Meldebogen 1946 wird angegeben, dass Schmidt von 1928 bis1945 NSDAP-Mitglied war und die Auszeichnung der NSDAP in Bronze erhielt. In der Akte wird seine Mitgliedschaft in der NSDAP ebenso wie seine "politische Betätigung" als "politischer Leiter Gauleitung Baden Amt für Technik", seine "Militärverhältnisse" als "Schütze", und keine Kriegsorden oder Ehrenzeichen verzeichnet [51]

Er hatte die Mitarbeiter Eugen Schlager (geb. 9.9.1908) und Reinhold Pharion (geb. 10.5.1910, NSDAP seit 1.5.1935, SS bis Sommer 1932), für die er einen DFG Antrag auf Forschungsstipendien zum Thema "Zusammenstellung einer Sammlung von mineralischen Rohstoffen und technisch wichtiger Gesteine" stellte, der wegen fehlender Promotion der Kandidaten 1937 abgelehnt wurde [50]. Für die "studierenden Wehrmachstsurlauber" wurde am 31.1.1942 um eine Beurlaubung Schmidts gebeten "Da auch der letzte Assistent des Geologischen Instituts jetzt den Gestellungsbefehl bekommen hat". Schmidt bekommt Erholungsurlaub vom 3.7.-16.7.1942 und "anschließend werden drei Tage Arbeitsurlaub zur Durchführung an der Techn.Hochschule genehmigt."

Das Geologisch-Mineralogische Institut im Ostflügel des Hauptgebäudes wurde durch Bombenangriffe 1942 und 1944 vollständig zerstört, und man wich auf den Westflügel aus [26].

Zum 1.3.1945 wurde Schmidt zum Rektor des KIT ernannt, übte das Amt wegen Erkrankung im Krieg aber nicht aus. Auf das Amt wurde er zuvor als Prorektor vom damaligen Rektor und "Führer der Hochschule" Rudolf Georg Weigel (*1899 in Bretten – †1955) vorbereitet. "Der Rektor ist der Führer der Hochschule, ihm stehen alle Befugnisse des seitherigen (engeres und großen) Senates zu. Er wird vom Minister des Kultus, des Unterrichts und der Justiz aus der Zahl der ordentlich Professoren ernannt und von ihm vereidigt" [8, s. auch Notiz (1)]. Ende April 1945 wurden die Bezüge Schmidts von der TH Karlsruhe eingestellt. Sein Wunsch, am Institut arbeiten zu dürfen, wird von der Militärregierung abgelehnt. Am 24.4.1948 wird das Verfahren gegen Schmidt eingestellt und bschieden, dass Schmidt nicht in die Klasse I oder II falle. Schmidt wirkte ab 1949 an der Universität Bonn als Wissenschaftler weiter und forscht zu Stäuben, wovon seine Publikationen Der Mondbericht (1949), Vergleich der Wirkungen von Quarz-, Cristobalit- und Tridymitstaub im intratrachealen Tierversuch mit Ratten (1955) und Staubbekämpfung in der Giesserei-Industrie (1957, 244 Seiten) zeugen.

Nach dem 2. Weltkrieg vertrat der Bauingenieur Alfred Bilharz (*1884 in Baden-Baden – †1968 ebenda) 1946 den Lehrstuhl mit einem Lehrauftrag für Technische Geologie, seit den 1920ern arbeitete er im Bauamt Baden-Baden auch an geologischen Themen wie der Überwachung der Thermalquellen oder der Kartierung des Blatts Baden-Baden [26]. Billharz wurde 1933 von seinen Diensten im öffentlichen Dienst suspendiert und in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Da "Prof. Schmidt ... wegen dringenster Dienstaufgaben nicht entbehrlich  sei", bat der Rektor den Badischen Minister des Kultus und Unterrichts in Straßburg am 22.11.1943, den Stadtbaurat Bilharz in Baden-Baden einen Lehrauftrag zu erteilen. Billharz wurde 1952 zum Honorarprofessor der TH Karlsruhe ernannt, und 1964 Ehrenmitglied des Oberrheinischen Geologischen Vereins.

Dieter Hoenes (*1912 in Frankfurt – †1955 in Egersund, Norwegen) übernahm den Lehrstuhl für Geologie und Mineralogie im Jahr 1950 als außerordenlicher Professor für Geologie und Mineralogie, 1953 wurde er zum ordentlichen Professor ernannt. Er war von 1940 bis 1945 Wehrgeologe, habilitierte sich 1943 in Berlin bei Paul Ramdohr, vertrat 1947 einen Lehrstuhl in Kiel und wurde 1948 Dozent in Freiburg. Er veröffentlichte 1937 einen Beitrag zu Erzlagerstätten im Schwarzwald, 1949 einen Führer zu petrographisch-geologischen Exkursionen im Schwarzwald und Kaiserstuhl (1949), und eine Publikation über das metallurgische Verhalten der Chromerze (1954). Er verstarb auf einer Exkursion in Südnorwegen.

Hoenes_1950

Abb. Dieter Hoenes 1950 (aus [25], S. 103)

Henning Illies (*1924 in Hamburg – †1982 in Karlsruhe) folgte 1958 als außerordentlicher Professor am Geologischen Institut, und wurde 1963 zum ordentlichen Professor und Direktor des Geologischen Institutes ernannt, welches er bis 1982 leitete. Illies machte 1942 sein Abitur, worauf der Arbeitsdienst, und dann der Frontdienst folgten. Er wurde 1943 an der Ostfront verletzt, und studierte 1943 bis 1948 in Hamburg Geologie, wo er im selben Jahr promovierte. Illies forcierte die Entwicklung neuer Professuren für Geophysik, Geochemie und Angewandte Geologie. Illies wurde 1958 als außerplanmäßiger und 1963 als Lehrstuhlinhaber des Geologischen Instituts (Allgemeine & Historische Geologie) an die TH Karlsruhe berufen. Er war 1964 bis 1971 Vorsitzender des Oberrheinischen Geologischen Vereins, 1971 bis 1977 dessen stellv. Vorsitzender, seit 1973 Mitglied der Leopoldina, seit 1978 Editor der Zeitschrift Tectonophysics und wurde zum Fellow of the Geological Society of America (GSA) ernannt.

Seine grundlegenden strukturgeologischen Arbeiten tektonischer Grabenstrukturen z.B. im Buch zu “Mechanisms of Graben Formation" (1981) erfuhren internationale Bedeutung, mehr als 100 Publikationen demonstrierten seine akademische Leistung. Zusammen mit dem 1964 berufenen Geophysiker Stephan Müller legte er den Grundstein des „Karlsruher Geists“, einer lang dauernden vertrauensvollen wissenschaftlichen Zusammenarbeit von Geodäsie, Geophysik und Geologie. Er richtete drei Jahrestagungen der von Hans Cloos und Kollegen 1910 gegründeten Geologischen Vereinigung in Karlsruhe aus, 1958 mit dem Titel "Der permische Vulkanismus und damit zusammenhängende Fragen", 1969 mit dem Titel "Bruchtektonik", und 1975 mit dem Titel "Tektonik kratonisierter Bereiche".

Illies Henning

Abb. Henning Illies (Quelle)

Rolf Stellrecht (*1928 in Stuttgart – †2017 in Karlsruhe) und Eberhard Sittig vertraten das Lehr- und Forschungsgebiet Historische Geologie bzw. Paläontologie unter Illies. Stellrecht arbeitete von 1959 bis 1993 am Geologischen Institut. Wolfgang Stinnesbeck folgte 1994 auf die Professur Sittig’s, und wechselte im Jahr 2007 von Karlsruhe an die Universität Heidelberg. Rudolf Metz (*1923 – †1991) arbeitete er seit 1958 am Geologischen Institut, wo er 1971 habilitierte, 1983 zum außerplanmäßigen Professor ernannt wurde und 1988 in den Ruhestand ging. 1990 wurde Metz zum Ehrenmitglied des Oberrheinischen Geologischen Vereins ernannt.

Gerhard H. Eisbacher (*1935) leitete als Direktor das Geologische Institut von 1985 bis 2003. Der Österreicher Eisbacher kam vom kanadischen Geologischen Dienst an die TH Karlsruhe und führte Illies’ Kooperation mit dem Geophysikalischen Institut mit Arbeiten zu Rheingraben, Schwarzwald und anderen Gebieten weiter. Er veröffentlichte 1996 das Buch Einführung in die Tektonik (374 S.), welches sich zum Standardwerk der Tektonik in deutscher Sprache entwickelte. Zudem veröffentlichte er in der Reihe Geologie der Erde Band II Nordamerika, mit seinem Schüler Jonas Kley 2001 Grundlagen der Umwelt- und Rohstoffgeologie, und mit Werner Fielitz 2010 den Geologischen Führer Karlsruhe und seine Umgebung. Seine wissenschaftlichen Publikationen zu geländebasierten struktur- und regionalgeologischen Themen betrachteten den Schwarzwald, die Alpen, aber auch Kanada, Chile und andere Regionen.

Das von Gerhard Eisbacher geleitete Geologische Institut wurde von Reinhard O. Greiling (*1949) übernommen, der 2007 mit seinem Lehrstuhl Strukturgeologie &Tektonophysik sowie dem Gesteinsmagnetiklabor in einer Rotation mit Stinnesbeck (ehem. Karlsruhe) von Heidelberg an die Universität Karlsruhe rotierte. Das Institut wurde in Institut für Angewandte Geowissenschaften umbenannt, welches die Professuren für Ingenieurgeologie, Hydrogeologie, Petrologie sowie Strukturgeologie & Tektonophysik beinhaltete. Greiling ging 2014 in den Ruhestand. Stinnesbeck’s und Greiling’s Rotation beruhte auf der Landesevaluation der Geowissenschaften in 2005/2006 mit der Neustrukturierung der Geowissenschaften in Baden-Württemberg. Dies beinhaltete einen Fokus auf Mensch-Umwelt Aspekte in den Geowissenschaften in Heidelberg und der Angewandten Geowissenschaften am KIT. Schwerpunkte des fliessend schwedisch sprechenden Greiling sind wissenschaftliche, geländebasierte struktur- und regionalgeologische Studien und Kartierungen der skandinavischen Kaledoniden. Christoph Hilgers wurde 2016 auf den Lehrstuhl Strukturgeologie &Tektonik berufen. Seine Arbeiten beschäftigen sich mit Modellen zu Reservoirqualitäten -und heterogenitäten, sowie ökonomischen Modellen alternativer Energiespeicher und Ressourcenstrategien. Nevena Tomašević  ist seit 2021 Juniorprofessorin für Allgemeine Geologie mit Schwerpunkt Sedimentologie. Basierend auf Geländeuntersuchungen entwickelt sie großregionale numerische Sedimentationsmodelle.

Das Institut für Mineralogie wurde 1959 gegründet und von Heinz Jagodzinski (*1916 – †2012) geleitet, der 1963 in den Ruhestand ging. Egon Althaus (*1933) wurde 1971 für die Mineralogie und Experimentelle Petrologie berufen. Althaus war Dekan der Fakultät Bio- und Geowissenschaften von 1972 bis 1974. Werner Smykatz-Kloss (*1938) wurde in den 1970ern auf das Lehr- und Forschungsgebiet Sedimentäre Petrologie an das Institut für Mineralogie berufen und ging 2003/2004 in den Ruhestand. Er war Dekan der Fakultät Bio- und Geowissenschaften in den Jahren 1996 und 1997. Doris Stüben (*1955) folgte Egon Althaus auf den Lehrstuhl, und nach ihrem vorzeitigen Ruhestand leitete Thomas Neumann das Institut von 2008 in 2016 in Vertretung, bevor er 2017 auf den Lehrstuhl Geochemie an die TU Berlin berufen wurde. Im Jahr 2015 wurde das Institut für Mineralogie und Geochemie mit dem Institut für Angewandte Geowissenschaften am KIT verschmolzen. Jochen Kolb wurde 2016 auf den Lehrstuhl Geochemie und Lagerstättenkunde berufen. 

Das Geophysikalische Institut wurde 1964 gegründet, initiiert von dem Bauingenieur Prof. Hans Leussink (*1912 – †2008) vom Institut für Felsmechanik, Rektor der Fridericiana und später Minister für Bildung und Forschung von 1969 bis 1972. Stephan Müller (*1930 – †1997) wurde zum ersten Lehrstuhlinhaber am Geophysikalischen Institut an der TH Karlsruhe ernannt, den er von 1964 bis 1971 leitete. Er war 1968 und 1969 Dekan der Fakultät für Mathematik und Naturwissenschaften. Durch die Teilung der Fakultät in Mathematik und Naturwissenschaften im Jahre 1969 wurde das Geophysikalische Institut durch Leussink’s Vermittlung Teil der Fakultät für Physik. Müller ging 1971 mit dem Großteil seiner Mitarbeiter an die ETH Zürich. Karl Fuchs (*1932  – †2021) folgte Müller als Direktor des Geophysikalischen Instituts der TH Karlsruhe und hielt den Lehrstuhl für Geophysik von 1971 bis 1994 inne. Im Jahr 1994 übernahm Friedemann Wenzel den Lehrstuhl für Allgemeine Geophysik von Karl Fuchs und führte das international bekannte Forschungsteam weiter.  Der  Seismologe Andreas Rietbrock wurde 2017 auf den Lehrstuhl berufen.

Ein zweiter Lehrstuhl wurde 1983 zur Angewandten Geophysik eingerichtet, der bis 2007 von Peter Hubral geleitet wurde. Nach seinem Diplomstudium der Geophysik führte Hubral seine Promotion am Imperial College London (1970) durch. Er wurde 1977 mit dem Conrad Schlumberger Award der EAGE, 1979 mit dem Reginald Fessenden Award (vorher Medal Award) der SEG ausgezeichnet. Er ist seit 1997 Ehrenmitglied der SEG, und  wurde für seine Arbeiten zur Explorationsseismik 2013 mit der Maurice Ewing Medallie der SEG ausgezeichnet. Der Geophysiker Thomas Bohlen wurde im Jahr 2009 auf den Lehrstuhl angewandte Geophysik berufen. 

Heinz Draheim (*1915 in Schönfeld – †2012) war Professor des Instituts für Geodäsie von 1960 bis 1983 und von1968 bis 1983Rektor der Fridericinia. Zusammen mit Karl Fuchs und Henning Illies gründeten sie das Black Forest Observatory, welches bis heute gemeinsam von dem Institut für Geodäsie und dem Institut für Geophysik geleitet wird. Während dieser Zeit entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit der Institute für Geologie (damals Teil der Fakultät für Bio- und Geowissenschaften), Geophysik (Teil der Fakultät für Physik), und der Geodäsie (Teil der Fakultät für Bauingenieurwesen), die in erfolgreichen Forschungsprojekten über die Fakultätsgrenzen hinweg resultierten (SFB Felsmechanik, SPP Hebung des Rheinischen Schildes, SFB Spannung und Spannungsumwandlung in der Lithosphäre, SFB Starkbeben), damals bekannt aus der "Geist von Karlsruhe". Die Ergebnisse des Forschungsprojektes Stress and Stress Release in der Lithosphäre sind heute als Welt-Spannungskarte bekannt.

Das Institut für Kristallographie wurde 1964 mit der Berufung von Hans Wondrascheck (*1925 in Bonn – †2014 in Karlsruhe) gegründet, der 1991 in den Ruhestand eintrat. Von der Fakultät für Mathematik-Naturwissenschaften brachte Wondraschek das Institut 1969 in die Fakultät für Physik. Ihm folgte Kurt Hümmer. Nach Hümmer’s früher Pensionierung und dem Ruhestand von Priv.-Doz. Dr. Wilfrid Edgar Klee (*1935 in Union City, USA) wurde das Institut geschlossen.

Die neuen Professuren der Angewandten Geologie innerhalb des Geologischen Instituts wurde 1965 von Prof. Viktor Maurin (*1922 – †2011) mit Schwerpunkt auf Karst-Hydrogeologie etabliert. Von Innsbruck, Österreich, nach Karlsruhe kam Kurt Czurda (*1940), der den Lehrstuhl für Angewandte Geologie von 1985 bis 2005 mit Schwerpunkt Ingenieurgeologie leitete. Maurin’s Assistent Heinz Hötzl (*1941 in Schirmdorf) habilitierte 1972, und wurde 1974 außerplanmäßiger Professor. Er wurde 1978 Professor für Hydrogeologie ernannt leitete das Lehr- und Forschungsgebiete bis zu seinem Ruhestand 2007. Seine Forschungsschwerpunkte waren Karst-Aquifere und Grundwassersanierung. Im Jahr 2011 wurde  Nico Goldscheider auf den Lehrstuhl Hydrogeologie berufen. Der Lehrstuhl Ingenieurgeologie wird seit 2010 von Philipp Blum geleitet, zunächst als Juniorprofessor, seit 2014 als Lehrstuhlinhaber.

Das Institut für Petrographie und Geochemie wurde 1969 mit der Berufung von Harald Puchelt (*1929 in Gera – †2004) gegründet. Puchelt arbeitete im Bereich Aquatische und Umwelt-Geochemie. Gerd Rein (*1913 – †1972) leitete 1965 bis 1973 das Lehr- und Forschungsgebiet Petrographie. Rainer Altherr (*1947) wurde 1982 für Petrologie berufen und ging 1994 an die Universität Heidelberg. Das Institut für Mineralogie und das Institut für Petrographie und Geochemie wurden zusammengeschlossen, um mit der Berufung von Doris Stüben in das Institut für Mineralogie and Geochemie aufzugehen. Altherr folgte 1995 Heinz-Günter Stosch (*1950), der 2015 in den Ruhestand ging. Viele deutsche Studierenden kennen Stosch von seinem frei im Web zugänglichen online Buch Einführung in die Isotopengeologie. Auf Stosch folgte 2015 Armin Zeh als Professor für Petrologie.

Das Spektrum der Angewandten Geowissenschaften am KIT wurde, initiiert durch die Bauingenieure Gerd Gudehus vom Institut für Felsmechanik und seinen Nachfolger Theodoros Triantafyllids, breiter aufgestellt. Auf die Stiftungsprofessur Technische Petrophysik (finanziert durch Herrenknecht) wurde 2009 Frank Schilling berufen, der seit 2018 Dekan unserer Fakultät BGU ist. Auf die Stiftungsprofessur Geothermie (finanziert durch EnBW) wurde 2010 Thomas Kohl berufen,eine der ersten KIT Professuren, die aus Universitätsteil (Campus Süd) auch im Helmholtz Großforschungsteil (Campus Nord) des KIT tätig ist.

Im Jahr 2016 wurden die Institute für Mineralogie und Geochemie und das Institut für Angewandte Geowissenschaften (die Lehrstühle Ingenieurgeologie, Geothermie, Hydrogeologie, Technische Petrophysik, Petrologie, Strukturgeologie) als Institut für Angewandte Geowissenschaften zusammengeführt. Die kollegiale Institutsleitung wird durch einen geschäftsführenden Direktor mit einer 2018 zweijährigen Amtsperiode geführt. Nico Goldscheider 2015 – 2019, Christoph Hilgers seit 2019.

Das markgräfliche physikalische und Naturalienkabinett

Das erstmalig 1752 erwähnte markgräflichen Naturalienkabinett wurde von Markgräfin Caroline Luise von Hessen-Darmstadt (*1723 in Darmstadt – †1783 in Paris), der Ehefrau des Markgrafen Carl Friedrich aus Karlsruhe, gegründet und erlangte über die Grenzen Badens Beachtung. Dem markgräflichen Naturalienkabinett stand zuerst Carl Christoph Gmelin (1760-1837, Botaniker) vor. Als Naturforscher war Gmelin auf vielen Gebieten tätig. Er hielt das Wissen um das mittelalterliche, Wieslocher Silberbergwerk aufrecht, und stellte 1803 bei Nussloch eigene Untersuchungen an, nachdem ihm der Nusslocher Schreinermeister Jacob Meixner zuvor Erzstufen von Bleiglanz und Galmei, Bohnerz und Schlacken brachte. 1837 folgte auf Gmelin sein Schüler Alexander Braun (*1805 in Regensburg – †1877 in Berlin, Botaniker). Braun wurde 1833 Professor für Botanik und Zoologie an der polytechnischen Schule Karlsruhe. Er gründete 1840 den Naturwissenschaftlichen Verein Karlsruhe, bevor er 1851 dann einen Ruf nach Berlin annahm und später dort dann Rektor der Universität Berlin wurde. Ihm folgte sein Schüler Moritz Seubert (1818-1878), Botaniker und Zoologe, als Leiter des Naturalienkabinetts. Das markgräfliche Naturalienkabinett wurde so umfangreich, dass es 1875 in den 1872 fertiggestellten Neubau umzog, der es heute noch beherbergt. Die Kriege 1866 und 1870 hatten die Bautätigkeit verzögert. Zuvor wurde bei der Flucht vor dem französischem Heer 1793 ein Teil der Sammlung aus Karlsruhe mit nach Ansbach genommen. Seit 1878 stand der Geologie Adolf Knop dem Großherzoglichen Naturalienkabinett vor.

Das markgräfliche physikalische Kabinett wurde von dem Physiker Johann Lorenz Böckmann (*1741 in Lübeck – †1783 in Karlsruhe) 1778 am badischen Hof gegründet. Er baute 1778 meterologische Station auf und gründete die "Badische Witterungsanstalt" [35, 36], erfand den optischen Telegrafen und war Mitglied der Kurfürstlichen Bayerischen Akademie der Wissenschaften und der Royal Society London. Sein Sohn Karl Wilhelm Böckmann (*1773 in Karlsruhe – †1821 ebenda) wurde nach seinem Vater zweiter Professor für Physik und Mathematik am Lyceum Karlsruhe und zweiter Aufseher des Physikalischen Kabinetts ab 1801. Gustav Friedrich Wucherer leitete das Kabinett ab 1821. Wilhelm Friedrich Eisenlohr (*1799 in Pforzheim – †1872 in Karlsruhe) leitete das Kabinett von 1840 bis 1865, er initiierte 1847 die ersten Telegraphenlinie in Baden von Durlach nach Karlsruhe.

Boeckmann Johann

Abb. Johann Lorenz Böckmann (Quelle)

Scheidler und Walchner, 1848 zur polytechnischen Schule

in „Das Staatslexikon: Encyklopädie der sämmtlichen Staatswissenschaften für alle Stände“ von Carl von Rotteck und Karl Theodor Welcker

Das Staatslexikon, in seiner ersten Ausgabe in 15 Bänden von 1834 bis 1843 veröffentlicht, wurde von den Freiburger Professoren Rotteck und Welcker herausgegeben und beinhaltete Beiträge der wichtigen liberalen und demokratischen Denker seiner Zeit, darunter auch der Geologie Walchner. Der Geologe Bergrath Walchner, Professor an der Polytechnischen Schule Karlsruhe, schrieb 1848 in der 2. Auflage des Staatslexikons von Rotteck & Welcker zur Polytechnischen Schule, und vermutlich auch schon in der ersten Auflage, allerdings da mit dem Kürzel X signiert [39, S. 147].

Der Philosophen und Staatswissenschaftler Prof. Dr. Karl Herrmann Scheidler (*1795 in Gotha – †1866 in Jena), ab 1826 außerordentlicher und 1836 ordentlicher Professor in Jena schreibt .. bei welchen ... auch die übrigen Verhältnisse des Lebens, besonders die politischen und religösen, der Grundbedingung aller Wissenschaft, nehmlich der Freiheit der Forschung und der Mittheilung ihrer Resultate, nicht hemmend in den Weg treten.“ (S. 622). Der Burschenschaftler Scheidler war auf dem Wartburgfest 1817 und verknüpfte später die im 18. Jh. aufkommenden Naturwissenschaften mit dem politischen Nationalismus des 19. Jh.. Der den Liberalismus vertretende Scheidler stand für die Autonomie der freien Universitäten ein, die nur ohne Einflussnahme des Staates politisch aktiver Bürger generieren könne (wie der Universität Wittenberg, die Martin Luther Schutz bot), und die Autonomie der freien Kirchen, die religös inspirierte soziale Bewegungen initiieren könne [41]. Scheidler unterstrich in seiner Publikation 1838 [42] Kants Kritik eines zu fürsorglichen Staats und eines moralischen Perfektionismus zu kollektiver Glückseligkeit anstatt individueller Freiheit [41], vielleicht einem Zustand, in dem sich die Gesellschaft gegenwärtig befindet.

Karl Theodor Welcker war in der badischen zweiten Kammer wie auch im Frankfurter Vorparlament vertreten und wurde im Pforzheimer Wahlkreis XIV ins Frankfurter Parlament gewählt. Er zählte zu den Gemäßigten und schloss sich in der Nationalversammlung dem rechten Zentrum der Casino-Fraktion an [38]. Er trat für einen Nationalstaat mit freien Rechten der Bürger ein, wandte sich aber gegen die Radikalen und sprach sich für ein Mitspracherecht der Regierungen bei der Gestaltung des Nationalstaates aus. Auch der im Karlsruher Wahlkreis XIII gewählte Pfarrer Karl Zittel (*1802 in Schmieheim – †1871 in Karlsruhe) gehörte derselben Fraktion wie Welcker an [38]. Zittel wurde 1850 vom badischen Landesparlament in das Staatenhaus des Erfurter Unionsparlaments gewählt, das aus einem Volkshaus aus 223 Mitgliedern und einem Staatenhaus mit 91 Mitgliedern bestand. Im Brettener Wahlkreis XV sprach man sich mit Johann Adam von Itzstein (*1775 in Mainz – †1855 in Hallgarten, Rheingau) für einen Vertreter des Deutschen Hofs aus, der bereits seit 1822 in der Zweiten Kammer der Badischen Ständeversammlung saß. Der Deutsche Hof unter dessen Sprecher Robert Blum sprach sich für ein demokratisches Einkammerparlament aus. Die Wahlergebnisse Badens und Hohenzollern-Hechingens sind hier dargestellt.

Welckner_Zittel_Itzstein_Blum

Abb. Mitglieder der ersten demokatisch gewählten und gesamtdeutschen Frankfurter Nationalversammlung 1848 v.l.n.r.: Karl Theodor Welcker (Wahlkreis XIV Pforzheim) (Quelle), Karl Zittel (Quelle), Johann Adam von Itzstein (Quelle), Robert Blum (Quelle). Johann Adam von Itzstein, Wahlkreis XV (Bretten), war eine der führenden Persönlichkeiten des liberalen Deutschen Hofs. Der Hofgerichtsrat wurde wegen seiner politischen Aktivitäten 1822 zwangsversetzt, 1824 zwangspensioniert und musste nach Auflösung des Nationalparlaments wegen Anklage zum Hochverrat in die Schweiz flüchten, von wo er 1850 zurückkehren konnte. Blum wird bei einer Reise zur Unterstützung der Aufständischen in Wien nach dessen Einnahme durch die kaiserlichen Truppen gefangen genommen und am 9.11.1848 hingerichtet.

Am 21.6.1848 sagte Welcker in der 20. Sitzung der Nationalversammlung (aus Werner, E.M. & Costadura, L. 89-99 in [39]): "Zunächst setze er (Anm. Welckner) sich mit der Volkssouveränität als „Grundlage meiner rechtlichen Überzeugung“ auseinander ... Volkssouveranität, so betonte Welcker, sei aber niemals eine „rechtlose Gewalt“. Und weiter: „Das Vaterland sind Fürst und Volk, souverän gegen Außen und gemeinschaftlich und unzertrennbar verbunden in Bezug auf die innere Regierung.“ Auch die Nationalversammlung sei durch Vereinbarung entstanden, die Abgeordneten seien gewählt nach den Anordnungen der Regierungen, die das Volk habe bestehen lassen. Welcker fuhr fort: „Ich habe kein Mandat empfangen, um die Regierungen vom Throne oder von ihrer Würde und Ehre herabzureißen, um den Schlund der Revolution weiter zu reißen, sondern es lautet: schließt einmal durch rechtliche Begründung eines Verfassungszustandes den unglücklichen Weg, den Abgrund der Revolution, begründet dadurch wieder Vertrauen, gegenseitige Rechtsachtung, Frieden und Ruhe“. Zu diesem Zweck plädierte er für den Erhalt der Einrichtungen des Bundes, .... Zu den Plänen bezüglich einer Zentralgewalt konstatierte Welcker, dass neben dem Volkshaus ein Staatenhaus unbedingt vonnöten sei, um den Einzelstaaten ein Mitspracherecht zu geben ... Welcker (Anm. warnte) eindringlich: „Wenn Sie ohne alle Noth, also unrechtlich die Regierungen herabsetzen und entwürdigen, dann haben Sie es zu verantworten, wenn das Vaterland in große Gefahr kömmt.“" Ende 1848 trat Welcker aus der Casino-Fraktion aus und gründete am 21.12.1848 die liberal-konservative und förderalistisch orientierte Fraktion Pariser Hof und trat für die großdeutsche Lösung unter Einbindung Österreichs ein [39, S. 96]. Viele Fraktionen der Nationalversammlung benannten sich nach dem Ort ihrer Zusammenkunft wie der Frankfurter Casinogesellschaft am Roßmarkt in Frankfurt oder dem Frankfurter Gasthof Pariser Hof. Die Casino-Fraktion sprach sich für eine konstituelle Monarchie eines Nationalstaates aus. Die Fraktion Pariser Hof sprach sich gegen einen erblichen Kaiser und einen zwischen Preußen und Österreich wechselnden Reichstatthalter aus [39, S. 97]. Als Österreich vom Zusammenschluss Abstand nahm, änderte Welcker kurzfristig seine Meinung beantragte bei der Nationalversammlung ohne Rücksprache mit seiner Partei am 12.3.1849 eine Lösung mit einem erblichen preußischen Kaiser. Nach großem Aufruhr und zunächst Ablehnung wurde schliesslich dem Vorschlag in der ersten gesamtdeutschen und demokratischen Frankfurter Reichsverfassung (Verfassung des deutschen Reiches) der Nationalversammlung vom 28.3.1849 zugestimmt und dem preussischen König die Kaiserkrone angetragen [39, S. 97]. Der preußische König Friedrich IV lehnt das Angebot eines erblichen Kaisers ab, ebenso lehnten die großen deutschen Staat die Reichsverfassung ab. Am 26.5.1849 legte Welcker sein Mandat in der Nationalversammlung nieder und bat im Juni 1849 um Enthebung aus dem Amt des Bevollmächtigten der badischen Regierung [39, S. 98].

Walchner, dem die liberalen Kollegen Rotteck und Welcker sicherlich nicht unbekannt waren, trägt in deren Werk über Schulen, polytechnische ab S.40-44 bei:

„Schulen, polytechnische, haben die Aufgabe, jene Kenntnisse zu lehren und zu verbreiten, welche die Production befördern und zur zweckmäßigen Ausführung der technischen Arbeiten der Staatsverwaltung befähigen.“

„Die höhere wissenschaftliche und technische Bildung, welche eine polytechnische Schule dem Techniker geben soll, wird durch Kenntnis der Mathematik, der Naturwissenschaften, der wichtigsten lebenden Sprachen und durch Fähigkeit im Zeichnen begründet“

„bei einer polytechnischen Schule nicht allein darin bestehen darf, theoretische möglichst gründlich zu geben, wobei er durch sinnliche Anschauung, durch Besucher, Wiederholungen und Übungen unterstützt werden muss; sondern … so viel es geschehen kann, in praktischen Arbeiten, auf dem Felde, in Laboratorien und Werkstätten geübt werden.

Walchner spielt auf Unterfinanzierung und Zugriff der Regierung auf Vorgabe von Themen des Staatsministeriums an: „Sammlungen und Apparate, welche bei allgemeinen wissenschaftlichen, wie bei besonderen technischen Kursen gebraucht werden, sind in der Regel für alle Fachschulen mehr oder weniger nützlich und nothwendig. Dies gewährt ... den … hochanzuschlagenden Vortheil, das man für jede Wissenschaft tüchtige dafür gebildete Lehrer anstellen kann, und nicht nöthig hat, wie es bei vereinzelt stehenden Fachschulen, aus Mangel hinlänglicher Mittel, nicht selten geschehen muss, Lehrer anzustellen, welche mehrere ganz verschiedene Lehrgegenstände übernehmen oder sich übertragen lassen, gerade weil sie keine besondere Wissenschaft studiert haben.

Walchner merkt zu den Randbedingungen an: „Der Sitz einer polytechnischen Schule … Wo naturwissenschaftlichen Sammlungen sind, ein physikalische Cabinet besteht, ein botanischer Garten unterhalten wird, ein reger Betrieb von Gewerben, Werkstätten und Fabriken ist und in den technischen Zweigen der öffentlichen Verwaltung viele Arbeiten ausgeführt werden; da ist sie an ihrer rechten Stelle.

Walchner bemägelt die Gebühren: „Der Zutritt zur polytechnischen Schule ist Jedem zu gestatten, der die Vorbildung dazu hat und überhaupt die vorgeschriebenen Bedingungen erfüllt.“ „Es kann den Zöglingen weder die Wahl der Unterrichtsgegenstände noch die Bestimmung der Reihenfolge derselben überlassen sein.“

Walchner favorisiert das Model der Ecole polytechnique „Durch häufige Examinationen und von den Lehrern geleitete praktische Übungen, durch mehrtätig ausgeführte Excursionen wird der Privatfleiß der Zöglinge angespornt, unterhalten und ein näheres Verhältnis zwischen den denselben und den Lehrern hervorgerufen, in welchem diese sehr nützlich wirken können.“

Ob Walchner im letzten Halbsatz im Hinblick auf die kommende Revolution mehr meint als er schreibt? „Die Anwendung jener Kenntnisse wird die richtige Benutzung der Naturkraft des Bodens, die besser Benutzung der Naturkräfte, die verbesserte Einrichtung von Maschinen und deren zweckmäßigeren Gebrauch lehren, sie wird manche vortheilhafte Veränderung der Productionsmethode, manche bessere Benutzung der Materials, der Bewerthung nutzlos gehaltener Abfälle zeigen, viele Producte verbessern, neue zu bereiten lehren und bei allen technischen Arbeiten, bei allen Zweigen der Production die Sicherheit des Erfolges erhöhen. Der schöne immaterielle Vortheil aber wird sein, daß wahre Bildung jene achtbaren producirenden bürgerlichen Gassen durchdringt und dadurch eine höhere Sittlichkeit verbreitet wird.“

Auch in der 3.Auflage des Staatslexikons von Rotteck & Welcker schrieb Walchner ebenfalls das XII Kapitel zu Schulen, polytechnische. In dieser Aufage verfasste Walchner auch das III. Kapitel zu Chemie und das II. Kapitel zusammen mit Rotteck zu Bergbau und Bergrecht.

Einblicke in die Zeit

Drohende Schließung der Universität Freiburg im Jahr ohne Sommer (1816) mit großer Hungersnot und Auswanderung:

Über Erzählungen vernahm man in Freiburg, dass die Universität geschlossen werden solle und der Großherzog nur die Kapazitäten der Universität Heidelberg nutzen wolle. Durch die Reise der Prorektoren Wucherer und Johann August Gottlieb Schafroth an den badischen Hof 1816, ausgestattet mit einer Promemoria des Kollegen Karl von Rotteck, versuchten sie, die vom Großherzog geplante Schließung der Universität Freiburg abzuwenden. „Den 27. Dezember 1816 traten die Abgeordneten die ihre verhängnisvolle Reise an und fanden sich wochenlang bei den Herren der Regierung und bei Hofe, ebenso unermüdet als erfolglos ein; bis es ihnen endlich gelang, durch Vermittlung der Frau Markgräfin Amalie eine Audienz bei ihrem nicht leicht zugänglichen Sohne, dem Großherzog Karl zu erlangen, und vom ihm das tröstende Wort zu gewinnen: „dass man es wohl bei dem Alten müsse bewenden lassen.“  ... kehrten die Abgeordneten am 11. Januar 1817 wieder nach Freiburg zurück …geschlossen wurde, und wurde 1818 Ehrenbürger Freiburgs.

Kindersterblichkeit in allen Schichten und kaum Gehalt:

Ein Einblick in die damalige Zeit mögen folgende Aspekte zur Familie geben: „Wucherer trat dreimal in die Ehe; 1806 mit Friederike Gockel, 1819 mit (ihrer Schwester) Auguste Gockel, die schon im ersten Wochenbett starb, und 1821 mit (ihrer Schwester) Salome Gockel, der tiefgebeugten Witwe, sämtlich Töchter des in Emmendingen verstorbenen Kirchenraths und Decans Christ. Bernh. Gockel. Aus der ersten Ehe giengen 10 Kinder hervor, von denen ein Sohn und drei Töchter noch am Leben sind. Eine Tochter aus zweiter Ehe starb sehr frühe. Eine verheiratete Tochter gebar ihm drei Enkel.“ Oder seine Bitte um ein Gehalt für seine Lehrtätigkeit an der Universität 1811 „Fünf Jahre lang, während welcher Wucherer von der Universität noch gar keine Besoldung zog, hatte seine kräftige Natur so vielseitige Anstrengungen ausgehalten … da erlaubte er sich endlich die Bitte: man möge entweder seinen Verband mit der Universität lösen, oder ihm wenigstens erleichtern und für die Zukunft sicher stellen … so dass er doch dann und wann ausathmen und sich zuweilen im Jahre der Wohltat des dritten Gebotes: sechs Tage sollst du arbeiten etc. erfreuen könne. Wucherer bat vergebens.“, der erst 1813 nachgekommen wurde „mit einer halben Naturaliencompetenz und 300 fl. (Anm. pro Jahr, süddeutscher Gulden = Florin, 300 fl. entspricht 2020 einer Kaufkraft von 6000 € Jahresgehalt)“. Der Verdienst eines Lehrers wird mit 75 fl. Angegeben, die Naturaliencompentenz mit 2 Klafter (2 Raummeter) Holz, ¼ Session Feld, 15 Pester Metzen Frucht (1 Pester Metzen ≈ 64 Liter).

Das Dritte Reich ist auch an der TH Karlsruhe:

(1) Der Rektor der TH Karlsruhe Prof. Dr.-Ing. Rudolf Georg Weigel schrieb am 23.1.1942 über den "Mischling Z." an den Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung, der daraufhin das Promotionsgesuch ablehnte: "Von Z. der bereits Diplom-Ingenieur ist und sich zur Zeit mit einer Doktorarbeit beschäftigt, habe ich einen keineswegs günstigen Eindruck gewonnen. Schon das äußere Erscheinungsbild, die Haltung und der Blick sind typisch jüdisch. Soweit aus seinem mir bekanntgewordenen Gebaren Rückschlüsse auf den inneren Wert zu ziehen sind, hat sich auch dort deutlich der jüdische Bluteinschlag durchgesetzt. Ich halte darum eine Promotion zum deutschen Doktor nicht für geboten" [9]. Weigel setzte den Professor für Geologie und Mineralogie Karl Georg Schmidt als Prorektor ein, um ihn auf das Amt des Rektors vorzubereiten. Schmidt wurde 1945 Rektor, übte das Amt jedoch nicht mehr aus. Weigel wurde 1945 einem Entnazifizierungsverfahren unterzogen und aus dem Hochschuldienst entlassen [10]. Die Rolle von Schmidt, die ambivalente Rolle von Paulcke wie auch die anderer Personen des universitären Lebens im Dritten Reich sind noch nicht vollständig aufgearbeitet. 

Nachwort

Mangels Expertise und Unterlagen kann auf den Beitrag unserer Vorgänger zu den gesellschaftlichen Entwicklungen seit 1825 nur unzureichend eingegangen werden. Dem gerade in heutiger Zeit wieder zunehmenden Trend, Menschen und Handlungen ohne umfangreiche Kenntnis zu werten, möchte ich nicht folgen. Diese sorgsame und notwendige Aufarbeitung soll den Historikern überlassen bleiben. Dem Kollegen Prof. Dr. Marcus Popplow möchte ich herzlich für Kontakte und einen ersten Zugang zu Quellen danken. Ebenso danke ich Karl Fuchs (†2021) für Hinweise zum "Geist von Karlsruhe".

Christoph Hilgers

noch unsortiert:

[1] Hildebrandt L.H. 1997. Schwermetallbelastungen durch den historischen Bergbau im Raum Wiesloch. Landesamt für Umweltschutz Baden-Württemberg, ISSN 09411-780X

[2] Walchner, F. A. 1829. Handbuch der gesammten Mineralogie.- 631 S.; Carlsruhe

[3] Walchner, F. A. 1851. Über das Vorkommen des Galmeis bei Wiesloch.- Z. deutsch. geol. Ges., 3:358-360

[4] Hoepke K-P 2007. Geschichte der Fridericiana. Universtitätsverlag Karlsruhe

[5] Kunle H, Fuchs S (Hrsg.) 2000. Die Technische Universität an der Schwelle zum 21. Jahrhundert - Festschrift zum 175jährigen Jubiläum der Universität Karlsruhe (TH). Springer

[6] Villinger E. 2021. 150 Jahre Oberrheinischer Geologischer Verein (1871-2021). Jber. Mitt. oberrhein. geol. Ver., N.F. 103, 1-100

[7] Weigel R.G. 1942. Karlsruher Akademische Reden - Dritter (Krigs)Jahrestag der Technischen Hochschule am 14. Februar 1942. http://www.historische-kommission-muenchen-editionen.de/rektoratsreden/anzeige/index.php?type=universitaet&id=148 

[8] Engehausen F 2019. Wie ein "Führer der Hochschule" ausgewählt wurde: Der Karlsruher Rektoratswechsel von 1935. https://ns-ministerien-bw.de/2019/01/wie-ein-fuehrer-der-hochschule-ausgewaehlt-wurde-der-karlsruher-rektorats-wechsel-von-1935/ 

[9] Josef Werner 1990. Hakenkreuz und Judenstern: Das Schicksal der Karlsruher Juden unter dem Hakenkreuz. 2. Aufl., Badenia Verlag,  https://www.karlsruhe.de/b1/stadtgeschichte/literatur/stadtarchiv/HF_sections/content/ZZmoP9qYDUkksg/Hakenkreuz_und_Judenstern.pdf

[10] Krauter A 1997. Die Schriften Paul Scheerbarts und der Lichtdom von Albert Speer – „Das grosse Licht“. Dissertation Universität Heidelberg

[x] Knop A 1873. Ueber das Vorkommen von Petroleum in Reichartshausen im Odenwald. Verhandlungen des naturwissenschaftlichen Vereins in Carlsruhe, Sechstes Heft, 2.

[12] Verhandlungen des naturwissenschaftlichen Vereins in Carlsruhe 1872. Hundertunderste Sitzung am 23. Februar 1872

[13] Carle, Walter 1964. Die Salzsuche in der Markgrafschaft und im Großherzogtum Baden. Ber. Naturf. Ges. Freiburg i. Br. 5-86.

[14] Storck, Manfred 2018. 100. landwirtschaftliches Hauptfest und 200 Jahre Cannstatter Volksfest. Doppeljubiläum: Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (baden-wuerttemberg.de)

[15] Hubmann, Bernhard 2009. Die großen Geologen. 192 pp. (p.8)

[16] Mayer G 1983. Beiträge zur Geschichte der Badischen Landessamlungen für Naturkunde in Karlsruhe XIV. Custos Dr. Constantin Hilger (1857-1915) und das Naturalienkabinett unter seiner Leitung 1894-1899. Carolinea 41, 142-150.

[17] Beckenkamp J 1899. Gedächtnisrede Fridolin von Sandberger. Festsitzung der Physikal.-med. Gesellschaft zu Würzbrug am 24. November 1898

[18] Kluth C 1972 Adolph Knop (1828-1893). Beitr. naturk. Forsch. Südw.Dtl., Bd. 31, 171-177

[19] Wikipedia Eintrag zu W Paulcke https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Paulcke

[20] Vogeley Michael (????) Er war der Begründer der alpinen Sicherheit - Professor Dr. Wilhelm Paulcke: Bergsteiger, Skipionier, Wissenschaftler, Künstler. 87-94

[21] Schmitt Fritz  (????) Wilhelm Paulcke Skipionier, Soldat, Lawinenforscher 34-36 http://www.alpinwiki.at/portal-wGlobal/S4apps/funktionen/getPDF.php?f=Paulcke_Wilhelm_-_Bergsteiger_83_01.pdf

[22] AlpinWiki: Wilhelm Paulcke, http://www.alpinwiki.at/portal/navigation/erst-besteiger/erstbesteigerdetail.php?erstbesteiger=1026

[23] Falkner G 2008 Wilhelm Paulcke (1973–1949). Initiator der Gründung des Deutschen und des Mitteleuropäischen Skiverbandes. SportZeiten 8, 79-99, S. 88

[24] Voit C 1899 Nekrolog auf Fridolin v. Sandberger. Oeffentl. Sizungsberichte der mathematisch-physikalischen Classe der k.b. Akademie der Wissenschaften zu München, Heft II, Sitzung vom 11. März 1899, 307-314.

[25] Twele A 1950. Das Institut für Lebesübungen. In: Die Technische Hochschule Fridericiana Karlsruhe Festschrift zur 125-jährigen Jahrfeier 1950. 270-272

[26] Hoenes, D 1950. Der Lehrstuhl für Geologie und Mineralogie sowie das Geologisch-Mineralogische Institut. In: Die Technische Hochschule Fridericiana Karlsruhe Festschrift zur 125-jährigen Jahrfeier 1950. 157-160

[27] Scharenberg S, Möser K, Nippert K 2017. Physical fitness, the military and the university: The case of Wilhelm Paulcke 1880s-1930. The International Journal of the History of Sports, 14 pp.

[28] Mayer G. 1961. Karlsruher Forscher, Lehrer, Freunde und Förderer der Geologie, Mineralogie, Paläontologie und des Bergbaus im 18. und 19. Jahrhundert. Heft: So weit der Turmberg grüßt, 14. Jahrgang, Nr. 5, 65-79

[29] Günter W, Würtz R 1987 Zur Information - Badischer Bergwerksverein. Der Erzgräber, Jahrgang 1, Heft 2, S. 48.

[30] Markl, G 1990. Die Grube Anton im Heubachtal bei Schltach, Schwarzwald. Lapis, 6, 11-20.

[31] Häussermann, M 1997. Das Landesbergamt Baden-Württemberg. Eine Landesoberbehörde mit zahlreichen Vorprovenienzen. In: Kretzschmar R (Hrsg.) Historische Überleiferung aus Verwaltungsunterlagen, 179-192.

[32] Dittmann, R. 2016. Naturerkenntnis und Kunstschaffen: Die Discours admirables von Bernard Palissy. de Gruyter, 587S,  S. 374

[33] Lönneker, 2010. Profil und Bedeutung der Burschenschaften in Baden in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Koblenz, link

[34] Koch, M. 1848. Reise in Süddeutschland und am Rhein. S. 228 link

[35] Gilbert, R. 2014. Johann Lorenz Boeckmann. Stadtarchiv Karlsruhe link

[36] Güll, R. 2015. Der meterologische Dienst - Ein ehemaliges Aufgabengebiet der amtlichen Statistik in Württemberg. Monatshelft 11, link

[37] Landesarchiv Baden-Württemberg. Paulcke, Wilhelm. Zugriff 31.7.2021, link

[38] Historischer Atlas von Baden-Württemberg - digital. Politische Geschichte des 19. und 20. Jahrhundert. Erläuterungen Beiwort zur Karte 7,6 Revolution 1848/49 (Die Aufstandsbewegungen in Baden; Wahlen und Abgeordnete der deutschen Nationalversammlung in Frankfurt 1848; Wahl zur verfassungsrevidierenden Landesversammlung des Königreichs Württemberg 1849), link

[39] Becht, H.-P., Grothe, E. (Hrsg.) 2018. Karl von Rotteck und Karl Theodor Welcker. Liberale Professoren, Politiker und Publizisten. In: Staatsverständnisse (Hrsg. Voigt, R.) Bd. 108, 247 S. link 

[40] Naturwissenschaftlicher Verein (Karlsruhe): Verhandlungen des Naturwissenschaftlichen Vereins in Karlsruhe. mit Beiträgen von Platz und Sandberger. 1868, link

[41] Barbour, C. 2020. A liberal before liberalism: Karl Herrman Scheidler and new Hegelians. Modern Intellectual History, 1-23, doi:10.1017/S1479244320000256

[42]  Scheidler, K.H. 1838. Staatswissenschaftliche Abhandlungen. Ueber die Idee der Universität und ihre Stellung und Staatsgewalt. 429 S., Jena, link

[43] Knop, A. 1879. Uebersicht über die geologischen Verhältnisse der Umgebung von Baden-Baden. Karlsruhe, 38 S. plus geologische Karte, link

[44] 1851. Dritte allgemeine Versammlung der deutschen geologischen Gesellschaft in Gotha, II. Sitzung vom 23. September 1851. Zeitschrift der Deutschen Geologischen Gesellschaft, 3, 377  link

[45] Bundesarchiv BArch R 4901_13_273_0297-0298 des Reichsministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung zu W. Paulcke

[46] Bundesarchiv BArch R 58_9617_0101 des Reichssicherheitshauptamts zu W. Paulcke

[47] Personalakte von W. Paulcke an der TH Karlsruhe

[48] 1848. Offizieller Bericht über die Verhandlungen zur Gründung eines deutschen Parlaments. No. 16. Fankfurt a.M. 3. April 1848, 95 S., s. S. 67

[49] Paulcke W 1936. Berge als Schicksal. 271 S.

[50] Bundesarchiv, R 73/14382 DFG-Antrag Stipendium (Aktenzeichen: Schm 12/51/1, 1937 abgelehnt)

[51] Bundesarchiv BArch R_4901_13275_0787 Karl Georg Schmidt, geb. 5.3.1902

[53] Laspeyres H 1889. Heinrich von Dechen - Ein Lebensbild. Neues Jahrbuch für Mineralogie, 165-340

[54] Grüner A 1849. Das Frankfurter Vorparlament und seine Wurzeln in Frankreich und Deutschland. 124 S.

ausgewählte Publikationen der Professoren:

Sandberger, F. (1858): Geologische Beschreibung der Umgebung von Badenweiler. – Beitr. Statistik innere Verw. Großh. Baden, 7: 20 S.; Carlsruhe

— (1869): Untersuchungen über den Wenzel-Gang bei Wolfach im badischen Schwarzwald. — N. Jb. Miner., 1869: 290–324, zahlr. Tab.; Stuttgart.

— (1880): Ueber die Bildung von Erzgängen mittelst Auslaugung des Nebengesteins. — Z. dt. geol. Ges., 32: 350–370; Berlin.

— (1891): Über die Erzgänge der Gegend von Freudenstadt und Bulach im württembergischen Schwarzwald. — Sitz. Ber. Math.-Nat. Kl. Bayer. Akad. d. Wiss., 21: 281–318; München.

Walchner, F. A. (1850): Handbuch der Geognosie. Karlsruhe, 2. Auflage, 1232 S.

- (1843): Darstellung der geologischen Verhältnisse der am Nordrande des Schwarzwaldes hervortretenden Mineralquellen : mit einer einleitenden Beschreibung der naturhistorischen Verhältnisse des zu Rothenfels bei Baden entdeckten Mineralwassers. 73 S.; Mannheim